Stoffwindelpo

Um mit Stoffwindeln zu wickeln, muss man ein totaler Öko sein. Oder verrückt.

Das habe ich mir immer gedacht, wenn ich von Mamas gehört habe, die ihren Kindern etwas anderes als Wegwerfwindeln um den Po geknotet haben.

Seit einigen Jahren habe ich im Freundeskreis aber Stoffi-Mamas, die weder total Öko sind noch verrückt. Ich habe mir immer angeguckt, wie süß die bunten Höschen sind und wie wenig Lust ich hätte, all diese zusätzliche Wäsche wegzuwaschen.

So richtig verstanden habe ich nicht, warum man sich so eine zusätzliche Arbeit machen sollte, wenn die Kinder doch keine Probleme mit einer Aldi-Windel an ihrem Allerwertesten hatten.

Und genau so kam ich zum Stoff am Hintern meiner kleinen Stinker.

Mika war generell sehr unempfindlich, was unser Wickelverhalten anging. Egal welche Marke und egal wie lange unsere Wickelintervalle waren. Seltenst war unser Großer mal wund. Eine lange Nacht, gekoppelt mit unserem vergesslichen Papa … und zack, steckte Mika mal locker 15 Stunden in einer Windel. Mit einem Riesenhintern und einer Windel, die kurz vor dem Explodieren war, stand der Gute dann breit grinsend vor uns oder saß zufrieden auf der Couch, um ihn ein großer nasser Fleck von der auslaufenden Windel. Aber wund wurde er nicht.

Wer Stoffwindeln benutzt ist Öko? Nein, musste ich feststellen. Stoffwindeln sind nicht nur besser für Babys Popo, sie können auch ganz schön cool aussehen.

Von unseren Erfahrungen geprägt, wickelten wir auch unser neues kleines Familienmitglied relativ bald nicht mehr nachts. Viel zu wichtig war uns oder besser gesagt mir unsere heilige Nachtruhe. Falls man das noch so bezeichnen kann mit zwei gestillten, nicht durchschlafenden Kindern.

Und schon ganz bald wurde Elli wund.

Lag’s am Essen? Ich aß nicht mehr scharf, nicht mehr sauer und trank keinen Saft mehr. Lag’s an den Windeln? Wir probierten uns an jeder Marke. Lag’s an den Wickelintervallen? Wir wickelten spätestens nach 2 Stunden und ließen unsere kleine Maus viel nackig strampeln.

Zusätzlich probierten wir uns durch sämtliche Cremen, Tinkturen und Heilwollen, die wir mithilfe von Hebammen, Freunden, erfahrenen Müttern und Apothekern auftreiben konnten.

Nichts half, und das, was half, schenkte uns nur eine kurzzeitige Besserung – um uns die Freude beim nächsten Wickeln wieder zu nehmen.

Es war wirklich unschön. Dazu kam dann noch ein Windelpilz … und die Verzweiflung einer Mama war komplett ausgeprägt.

Und dann lieh ich mir die Windel meiner Stoffi-Mama-Freundin. Zwei Tage wickelte ich ‚Öko‘ … und siehe da, es wurde besser, wenn auch nicht vollkommen. Also wartete ich auf die zurückkehrenden Pickelchen und die feuerrote Haut.

Doch da kam nichts. Stattdessen folgte eine wild shoppende Mama, die auf Verkaufsportalen, in Internetshops und Kleinanzeigen kräftig zuschlug und sich freute, wenn der Postbote wieder einmal mit einem neuen Päckchen vor der Türe stand. Mit den eintreffenden Windeln und den verschieden Systemen, durch die ich mich erstmal probieren musste wurde ich überzeugter und mein Mann genervter von all dem Geld, das dahin war.

Mein ganzer Stolz: meine Stoffwindelsammlung!

Jetzt, nach einem guten Monat, haben wir uns angefreundet mit dem Waschen, dem Sammeln der Pipi-Windeln, dem Auswaschen der Windeln, die dann doch zu sehr verschmutzt sind. Für unterwegs habe ich ein Säckchen genäht, das wasserdicht ist und einige der Windeln, die mir doch nicht gefallen haben, dürfen demnächst wieder weiter ziehen.

Es gibt einfach so viele verschieden Systeme und Arten, sein Kind zu wickeln. Anfangs bin ich schier verzweifelt und war überrumpelt und überfordert von dem riesigen Angebot.

Erwartet hatte ich nämlich schöne Pos und eine leichte Handhabung, wenn ich mich schon dazu bringen ließ, umweltfreundlich zu wickeln.

Nix da, ich musste mich wirklich erstmal richtig damit beschäftigen und auseinandersetzen, musste alles ausprobieren und mich mit dem Ganzen anfreunden. Wo ich schon mal dabei war, habe ich alles auch an Mika ausprobiert … und siehe da: es klappt. Mit viel Geduld und der Hilfe verschiedener Freundinnen und Foren haben wir jetzt einen gesunden Po.

Abgesehen davon lohnen sich die Ausgaben doppelt – da ich ja auch Mika mit ins Stoffboot geholt habe und wir plötzlich nicht mehr zwei Windelpackungen pro Woche kaufen müssen …

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