Schlagen, schreien, beißen

Aus heiterem Himmel durchfährt dich ein stechender Schmerz. Das Kind hinter dir, das dich eben noch ganz doll umarmt hat, hat sich in deinem Oberarm verbissen. Du schreist auf, packst es grob und ziehst es von dir weg. Es wird geschimpft, gemahnt, der Finger erhoben. Dann wird geweint, Mama umarmt und gemosert. Besänftigende aber mahnende und erklärende Worte und alles ist wieder gut. Das wiederholt sich beliebig oft, eigentlich täglich.

Ruhig bleiben – oder sich provozieren lassen?

Das Kind auf dem Tisch oder auf der Bank tanzend. Ein scharfes Messer in der Hand haltend, empfindliche Gläser balancierend. Die Fernbedienung in der Hand oder im Trinknapf des Hundes klatschend. Allesamt Dinge, die nicht erlaubt sind.

Alle Taten schon 100 Mal mit „Nein“ bedacht. Mit Schimpfen und Mahnen und Motzen. Mittlerweile werden wir nur noch mit einem kurzen Grinsen bedacht und selbst die erhobene Augenbraue wird einfach ignoriert (die war bei uns damals sehr alamierend!!). Und dann wird eben all das genau aus dem Grund getan, weil die Kinder es nicht dürfen. Greife ich dann konsequent durch, was mir in meiner Erziehung eigentlich schon wichtig ist, werde ich mit Hauen oder Kratzen – kombiniert mit einem schrillen Schrei – bombardiert … und frage mich am Ende, ob ich eigentlich etwas falsch gemacht habe.

Davor muss ich aber flink sein wie ein Wiesel und dem nach mir schnappenden Mund ausweichen. Und wieder schimpfen nicht vergessen.

Es ist schwer, ruhig zu bleiben, wenn die Frustrationsgrenze schon überschritten ist.

Die Situation umfasst nun 2 brüllende Parteien, die beide genervt sind. Frustrationslevel 100. Der Kleine hängt an meinem Bein und ich versuche mich zu befreien, denn „so möchte ich nicht mit dir spielen/kuscheln/reden“. Dicke Krokodilstränen rollen und Papa wird verlangt. Böse Mama.

Der Trost: Auch Papa wird oft angebrüllt, gebissen und gekratzt. Einen Klaps auf den Po, den wir in unseren Erziehungsmaßnahmen eigentlich nicht begrüßen, gibt es im Affekt. Natürlich hat er meist gar keine Auswirkung auf den kleinen Schurken, denn die Windel schützt. Nur uns bleibt er im Gedächtnis. Wir haben ein schlechtes Gewissen, haben getan, was wir niemals tun wollten. Und helfen tut das ja schon gar nicht, es produziert nur eventuell Einschüchterung und Trauer. Und eigentlich wollten wir ja nur nicht mehr weiter gebissen werden.

Es ist schwer, sich auch in einer Situation noch ruhig zu verhalten, in der man seine Frustrationsgrenze eigentlich schon längst erreicht hat. Und es ist schwer, die Geduld zu haben, alles zig Mal zu erklären. Es ist schwer, fair zu sein und es ist schwer, konsequent zu bleiben.

Es ist schwer, „Eltern“ zu sein. Aber es ist nicht schwer, sein Kind zu lieben. Und das ist, was zählt. Auch beim Schlagen, Schreien, Beißen.

 

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