Das Gartenprojekt

Neulich, während das Leben so voran schritt, kackte eine Katze neben die Treppe unseres Hauseingangs. Es handelt sich um die Südseite. Scheint also die Sonne, entfaltet sich der Geruch eines Besuches in der Jauchegrube direkt, wenn man die Haustüre öffnet. Schön, dachte ich so.

Inspiration für unser Gartenprojekt: eine Katze und ihre Notdurft.

Die Katze macht das immer. Sie denkt, das muss so.

In der Schule meiner großen Tochter sollte dieses Jahr eine Garten-AG angeboten werden. Klara liebt gärtnern, hat nur leider keine Möglichkeit, dieser Liebe so richtig nachzugehen, weil wir ja keinen Garten haben. Sind die Kinder bei Oma, wird geharkt und gegärtnert. Leider ist diese Möglichkeit nicht so regelmäßig da, wie es Klara gerne hätte. Daher war die Freude über die Garten-AG riesig und Klara schon ganz hibbelig. Leider zertrümmerte sich die Mutter, die die AG angeboten hatte, gleich nach dem ersten Treffen irgendwelche wichtigen Gelenkknochen im Fuß und konnte fortan nicht mehr kommen.

Erde, ein bisschen Sand, Steine, Saatgut und natürlich – ganz wichtig: eine Gartenhacke. Mehr braucht es gar nicht zum Start in den (Mini-)Gartenbau.

Das Kind war ganz traurig, die Katze kackte fröhlich und ich hörte mich selbst sprechen: „Wir machen unser eigenes Gartenprojekt. Mich nervt diese Katzenscheiße und ich will da gerne was hinpflanzen. Das machen wir dann zusammen.“ Hatte ich das gesagt? Ja, hatte ich. Das Kind brach in Jubel aus und ich saß drin, in der Gartenfalle.

Zu seinem Wort muss man stehen, und da ich keine Ahnung von Gärtnern habe, kaufte ich immer mal Samen, die mir gut gefielen. Blumen. Kräuter. Andere Blumen. Bohnen. Das Kind wurde zudem mit Büchern ausgestattet, die kindgerecht erklären, auf was zu achten ist. Einer muss ja die wissenschaftliche Leitung übernehmen.

Die Mädels ganz konzentriert bei der Arbeit.

Mein Gartenplan nahm währenddessen zumindest in meinem Kopf Formen an. In unmittelbarer Nähe zum Hauseingang steht eine alte Tränke aus Stein. Vor einigen Jahren wurde diese mal mit Pflanzen bepflanzt, die dann aber nicht mehr so richtig gepflegt wurden. Das ist alles zwar irgendwie grün, aber nicht so ganz hübsch.  Die wollte ich auf jeden Fall bepflanzen. Meine Mutter riet mir, immer mal wieder Blumenerde mitzubringen, wenn diese im Frühjahr angeboten würde. Dann müsse man nicht auf einmal so viel schleppen. Das hielt ich für einleuchtend, weswegen ich immer mal wieder Erde mitbrachte. Es waren dann so acht Säcke (jaha, hab ich auch gemerkt – viel zu wenig). Irgendwann vor drei Wochen gab es im Supermarkt Erdbeerpflanzen. Die mussten es natürlich auch sein. Allerdings war ich jetzt unter Zugzwang. Während zuvor alles schön in Tütchen verpackt war, standen da jetzt so Pflanzen, die vermutlich in die Erde wollten. Mein Mann wies mich mehrfach darauf hin, dass diese doch bitte mal zu gießen seien. Klara übernahm.

Kinder freuen sich, wenn sie mithelfen und gestalten können und man dann am Ende auch noch leckere Sachen dabei ernten kann.

Immer mal wieder kamen Menschen zu uns, die die Pflanzen sahen und fragten, was damit geschehen solle und Klara und ich erzählten frei weg von unseren Plänen. Die Menschen sahen uns streng an und fragten mit hoch gezogenen Augenbrauen so Sachen wie: „Haben denn die Pflanzen auch alle denselben Wasserbedarf?“ – „Ist denn da eine Drainage drin?“ – „Oh, so viel Sonne…“ – „Ach, du willst ein Hochbeet anlegen?!“ Was? Häh? Keine Ahnung. Ich hatte hauptsächlich nach Geschmack und Ästhetik eingekauft. Alles für die Katz, am Ende?

Zwar nun doch etwas von Zweifeln geplagt, sollte die Sache starten. Dabei fiel auf, dass eine winzige, aber nicht ganz unwichtige Sache fehlte: Eine Hacke! Da nun also Erde, Samen, Pflänzelein und ein ungeduldiges Kind am Start waren, fuhren Ella und ich flux in den Baumarkt um mal eben noch eine Hacke und den ein oder anderen Blumenkübel zu holen. Und an dieser Stelle bzw. an diesem Ort fielen mir wieder die Menschen mit den hochgezogenen Augenbrauen ein … Fix durch den Baumarkt? Kannste vergessen! Erst mal dauerte es ein wenig, bis klar wurde, zu welcher Art Zuordnung eine Gartenhacke (oder Harke?) gehört. Das zu wissen ist in einem Baumarkt essentiell, wegen der Regalordnung.

Die Erdbeeren blühen auch schon. Da hat sich das eifrige Gießen der Kinder echt gelohnt.

Dann später, im Saatgutregal, fragte ich mich, was der Unterschied zwischen den ganz billigen Saatkörnern und dem gleichen Kraut in etwas teurer wohl sein könnte, um dann zwei Meter weiter links zu entdecken, dass es auch Saatgut in Demeter-Qualität gibt. Mist. Irgendwie dachte ich, Selbstanbau sei irgendwie immer bio. Nee. Hab ich jetzt auch verstanden. Trotzdem hab ich mich für die mittlere Preislage entschieden und auch eine Hacke gefunden. Zu guter Letzt (Ella wollte schon lange zu den Kaninchen), dachte ich, dass es gut wäre noch ein bisschen Erde und auch noch so Kübel mitzunehmen, die ich an den Ort stellen würde, wo die Katze ihre Notdurft verrichtet. Allerdings musste ich feststellen, dass es Gemüseerde, drei oder vier verschiedene Schichten Erden für Hochbeete, Tomatenerde, Balkonblumenerde, Bio-Erde, Blumenerde etc. pp gibt und entschied mich dann dazu, lieber schnell noch die Kaninchen anzuschauen.

So schön geworden! Jeden Tag ist die Freude groß, wenn der Fortschritt im Wachstum begutachtet wird. Kinder und Mama finden es prima. Und die Katze auch, irgendwie.

Mit der kleinen Baumarktausbeute konnten wir nun zumindest zur Tat schreiten und Klara und ich harkten die alten Blumen/Unkräuter aus der Tränke vor unserem Haus. Entgegen kamen uns natürlich einige Tierchen, die sich nun leider eine andere Heimstatt suchen mussten. Es ging ganz gut voran und so konnten wir, nachdem wirklich alles gut geharkt, gezupft und geebnet war, Erde aufschütten und unsere Pflänzchen einsetzen. Beide Kinder konnten gut mitmachen und das Saatgut verteilen. Erdbeeren, Rosmarin, Dill, Petersilie, Mangold, Sellerie, Rauke und Thymian sitzt nun gemeinschaftlich auf recht engem Raum und wir freuen uns total, dass es jeden Tag mehr und grüner wird.

Nun, so wird sich manch einer fragen, was ist denn nun mit der Katze? Ja, das Problem war durch die Kübelbepflanzung ja wahrlich noch nicht gelöst und da noch ein bisschen Erde da war, haben wir kurzerhand noch einige Töpfe mit einer Art Steindrainage versehen, Sand und dann Erde drauf gepackt und abschließend noch weiter gepflanzt, was so an Kräutern und Blumen in meinen Tütchen war. Diese Töpfe haben wir dann als großen Coup auf eine Bank gestellt, die ich genau an Maunzis Kackplatz gestellt habe. Die Bank hat dem Boden nahe eine Strebe, hinter die ich noch weitere vorhandene leere Blumentöpfe verkehrt herum gestellt habe. Unser „Garten“ ist jedenfalls sehr schön geworden und wir freuen uns jeden Tag, dass es wächst und gedeiht.

Und die Katze? Ja, die kackt jetzt einfach vor die Bank.

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