Schwangerschaft (Nicole S.)

Der Alltag kehrt ein

Diese Woche bin ich zum ersten Mal allein mit beiden Kindern. Das wird wohl mein neuer Alltag werden, bis Daniel im Herbst in den Kindergarten kommt (hoffentlich bekommt er einen Platz!). Ich hatte richtig Angst vor dem ersten Tag ohne Christian. Wie oft wird Daniel bocken? Wird er mittags schlafen? Wird Juliane ihre Milch bei sich behalten oder wieder  ausspucken wie so oft in den letzten Tagen? In der Nacht vor Christians erstem Arbeitstag habe ich noch schlechter geschlafen als sonst. Bislang hatte mein Mann sich tapfer um Einkäufe, Essen und Entertainment für Daniel gekümmert, das wird jetzt ja auch noch alles mein Job werden. Inklusive zwei Vormittage Spielgruppe für Daniel und ein Nachmittag mit Kinderturnen.
Und es ist tatsächlich ordentlich anstrengend, den Alltag alleine in den Griff zu bekommen. Stillen und Wickeln kostet schon einige Stunden am Tag, Waschmaschine und Staubsauger wollen immer mal wieder gefüllt und bewegt werden, und Spielen und Spazierengehen müssen ja auch sein. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben, und deswegen bin ich schon sehr gespannt auf die nächsten Wochen und Monate!


Festmahl für Vögelchen

Mein Schlafmangel summiert sich allmählich. Deswegen bin ich Daniel sehr dankbar, dass er sich normalerweise wenigstens zu einer Stunde Mittagsschlaf durchringen kann. Sobald er im Bett ist, lege ich mich mit Juliane zusammen hin – egal ob sie müde ist oder nicht – und bin binnen Sekunden eingeschlafen. Und ich stehe garantiert erst wieder auf, wenn Daniel mit seinem Lieblingsbauernhofbuch in der Hand vor mir steht.
Weil Juliane so ein zartes Vögelchen ist, kommt unsere Nachsorgehebamme nach wie vor regelmäßig zu uns. Sie macht das toll, hört zu, kontrolliert Julianes Nabel und hat uns sogar beim ersten Babybad geholfen. Juliane nimmt zwar schön zu (bei nicht einmal 3000 Gramm Geburtsgewicht auch enorm wichtig), sie hat aber oft nicht die Kraft, beide Seiten auf einmal leer zu trinken. Noch dazu sind ihre Trink-Portionen echt mini: 80 Milliliter in 30 Minuten sind nicht gerade ein üppiges Festmahl. Wahrscheinlich bin ich in der Hinsicht von Daniel ziemlich verwöhnt worden: Als er drei Monate alt war, hat er es tatsächlich geschafft, in acht Minuten 350 Milliliter aus mir herauszusaugen. Damals konnte ich Riesen-Portionen essen und habe trotzdem ständig abgenommen. Riesen-Portionen kann ich jetzt auch essen, aber vom erwünschten Vorschwangerschaftsgewicht bin ich leider noch einige Kilos entfernt!


„Schlaflos in München“

Juliane ist ein liebes, braves Baby. Sie schreit kaum – nur wenn sie wirklich Hunger hat oder Daniel ihr aus Versehen auf die Hand getreten ist. Tagsüber schläft sie prima, sei es im Stubenwagen, im Kinderwagen oder sogar mal im Tragetuch. Über unsere Nächte könnten wir allerdings einen Film drehen – Arbeitstitel „Schlaflos in München“. Denn dass in erster Linie die Nacht zum Schlafen da ist, muss Juliane definitiv noch lernen. Zurzeit holt sie mich zwei bis drei Mal pro Nacht zum Trinken heraus und will danach partout nicht wieder einschlafen. Sie liegt dann in ihrem Bettchen, schmatzt vor sich hin, gluckst und rudert mit den Armen. Ruhe gibt sie erst, wenn ich sie wieder zu mir ins Bett hole und sie auf meinem Bauch liegen darf. Ich hoffe, dass das kein Dauerzustand wird! Ich komme so nämlich kaum zum Schlafen und bin dann tagsüber mitunter etwas unausgeglichen…
Und mein Blutdruck hat sich bislang auch nicht beruhigt. Ich messe brav jeden Tag zwei Mal und schlucke täglich die einzigen Tabletten, die einer Stillenden wohl erlaubt sind. Zur Sicherheit hat der Internist, der sich jetzt um meinen Bluthochdruck kümmert, vor zwei Tagen eine 24-Stunden-Messung durchgeführt. Einen Tag und eine Nacht lang war ich mit einem Gerät am Gürtel verkabelt, das alle halbe Stunde (mir kam es häufiger vor) meinen Blutdruck gemessen hat. Beim Stillen war das ein bisschen unangenehm, und auch im sonstigen Tages- und Nachtablauf war das ständige Messen eher unpraktisch und wenig Schlaf fördernd. Aber das sind sicherlich nur kleine Anfangsschwierigkeiten, „Schlaflos in München“ wird hoffentlich nicht der neue Blockbuster!


Der entthronte Erstgeborene

Das mit der Geschwisterliebe ist so eine Sache. Daniel findet seine kleine Schwester toll. Weil sie ihm einen eigenen Werkzeugkasten geschenkt hat. Weil er sie immer mal wieder auf den Arm nehmen, streicheln und küssen darf. Und am liebsten hat er sie, wenn sie schläft, möglichst lange und bitte auch dann noch tief und fest, wenn er seine volle Duplo-Kiste mit Schwung direkt neben ihrem Stubenwagen auskippt.
Das mit dem Stillen findet er sehr interessant, aber eigentlich möchte er lieber, dass ich in der Zeit mit ihm zusammen ein Buch anschaue. Und dass er seinen Wickeltisch mit Juliane teilen soll und jetzt noch so winzige Windeln unmittelbar neben seinen Höschenwindeln liegen, gefällt ihm ehrlich gesagt gar nicht. Kurz und gut, unser Erstgeborener, gerade mal zwei Jahre alt, fühlt sich im klassischen Sinne „entthront“. Er will weiter die unangefochtene Nr. 1 im Hause Stadtmüller sein, da hilft nix - und das lässt er uns bei jeder Gelegenheit spüren: Er bockt, wo es nur geht, und seine gefürchteten Wutanfälle häufen sich gerade.
Ganz schön anstrengend! Und die Aussichten sind nicht gerade rosig: Ich mag gar nicht daran denken, wenn Juliane in ein paar Monaten den ersten Duplo-Turm umwerfen oder eines seiner Lieblingsbilderbücher einfach in den Mund stecken wird!


Turbulente Tage auf der Wochenstation

Ich bin froh, seit gestern wieder zu Hause zu sein, denn die Tage im Krankenhaus waren doch recht turbulent. Am gleichen Tag wie Juliane sind noch elf weitere Babys auf die Welt gekommen, was zur Folge hatte, dass die Wöchnerinnenstation aus allen Nähten platzte, und Hebammen und Säuglingsschwestern ganz schön im Stress waren. Zum Glück wusste ich ja schon, „wie der Hase läuft“. Wickeln ist ja ohnehin mein täglich Brot, und auch das Stillen hat dieses Mal auf Anhieb geklappt (den Stillhütchen sei Dank!), so dass ich kaum Hilfe brauchte. Und mir selbst ging es auch erstaunlich gut, ich konnte von Anfang an prima für uns beide sorgen. Meine Zimmernachbarin hatte es da nach ihrem Kaiserschnitt deutlich schwerer. Sie durfte und konnte gar nicht aufstehen, hatte anscheinend starke Schmerzen und konnte ihre Tochter noch nicht mal selbst aus ihrem Bettchen herausheben. Da war die Geburtseinleitung im Nachhinein wahrscheinlich doch die bessere Alternative…
 Juliane hat ihren Weg in unsere Welt anscheinend auch ganz gut verkraftet und mittlerweile die ersten zwei U-Untersuchungen mit Bravour bestanden. Ich soll sie eigentlich alle zwei Stunden zum Stillen wecken, weil sie ja so ein zartes Vögelchen ist. Da beiße ich allerdings auf Granit, sie macht Mund und Augen nur auf, wenn sie wirklich Hunger hat. Dafür habe ich umso mehr Hunger! Umso besser, dass ich gestern die magere Krankenhauskost hinter mir lassen und mich in die Hände meines persönlichen Spitzenkochs begeben durfte – so lange Christian Urlaub hat, bekomme ich nämlich täglich eine meiner Leibspeisen serviert. Wer weiß, vielleicht schmeckt Juliane die Muttermilch dann auch besser?


Es ist vorbei

Wir haben die Geburt glücklich überstanden, Mutter und Kind sind wohlauf. Dass unsere Geburt nicht anstandslos über die Bühne gehen sollte, war mir ja von vornherein klar. Deshalb hat die Einleitung auch dieses Mal nicht auf Anhieb funktioniert, was mir eine zusätzliche Nacht im Krankenhaus und ein paar Beruhigungstabletten bescherte. Als ich am nächsten Morgen gerade dabei war, vehement auf einem Kaiserschnitt zu bestehen, stellte der Oberarzt fest, dass das bei einem zwei Zentimeter geöffnetem Muttermund nicht mehr nötig sei. Also musste ich da wohl oder übel durch. Christian habe ich mittags nach Hause geschickt, damit er mich beim Wehen-Wegatmen nicht stört, und eine Stunde später habe ich ihn wieder ins Krankenhaus beordert, weil der Wehen-Takt sich deutlich verkürzt hatte. Kaum war er da, ging es auch schon richtig los. Eine qualvolle halbe Stunde hat uns noch mal die Diagnose „Sternengucker“ gekostet. Unser Kind lag im Ultraschall mit dem Gesicht nach oben statt nach unten im Geburtskanal und wollte sich partout nicht umdrehen. Warum es dann um 18.15 Uhr doch „richtig“ herum zur Welt kam, bleibt ein Rätsel. Aber immerhin eine Frage ist mit dieser Geburt beantwortet: Eine „normale“ Geburt ist machbar, man kann es tatsächlich schaffen. Ein beruhigendes Gefühl!
Übrigens: Juliane Eva Klara ist in der Tat ein winziges Leichtgewicht: 2810 Gramm, verteilt auf 49 Zentimeter Körperlänge und 33 Zentimeter Kopfumfang.


Startschuss für das Abenteuer Geburt

Neuer Schock im Krankenhaus: Heute will der Oberarzt die Geburt sofort einleiten. 38. Woche, lange genug gewartet, außerdem ist unser Baby in der letzten Woche wohl definitiv nicht mehr gewachsen. Ich habe mich erst mal strikt geweigert, schließlich ist Christian gerade heute unterwegs, um Daniel bei meinen Eltern abzuholen. Und allein stehe ich so eine Geburt, noch dazu wieder eine mit dieser schrecklichen Einleitung, sicher nicht durch. Ich stieß damit zwar auf wenig Verständnis beim Arzt, aber einen Tag Schonfrist konnte ich immerhin noch aushandeln. Morgen wird es also ernst, die Kliniktasche ist gepackt (diesmal ohne Entspannungs-CDs und Frauenzeitschriften für die langweiligen Stunden der Wehen, dafür mit einer Extraration Taschentüchern und nagelneuen Stillhütchen). Als Babysitter für Daniel stehen unsere Nachbarn und meine Schwägerin bereit, alle Blumen sind gegossen, und der Kühlschrank ist prall gefüllt. Das ist dann wohl der Startschuss für das zweite Abenteuer Geburt…


Auszeit und letzte Aufgaben

Ich genieße diese Woche eine unverhoffte Auszeit: Ich halte Mittagsschlaf bis zum Abwinken, lese längst vergessene Bücher und schiebe immer mal wieder ein bisschen Hausarbeit ein. Und ich fahre natürlich zu den täglichen Kontrollen ins Krankenhaus. Und das alles ohne Stress mit und um Daniel, denn unser Zweijähriger macht Urlaub bei Oma und Opa. Meine Eltern haben am Wochenende Daniel für ein paar Tage zu sich geholt. Meine Mutter mir außerdem dankenswerterweise geholfen, den Kinder-Kleiderschrank auszumisten, auszuwaschen und für zwei Kinder neu einzuräumen. Eine Heiden-Arbeit! Und dringend war diese Aufgabe langsam ja auch.
Meiner allgemeinen Verfassung tun das Ausruhen und der zusätzliche Schlaf wirklich gut. Der hohe Blutdruck lässt sich leider nicht davon beeindrucken, er bleibt oben und schürt weiterhin den Verdacht auf Schwangerschaftsvergiftung. Dennoch soll Kind zwei nach den Wünschen der Ärzte noch eine Woche in meinem Bauch drin bleiben und frühestens in der 38. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. Meinetwegen. Wehen habe ich ohnehin noch nicht einmal ansatzweise. Und bevor uns zwei Kinder auf Trab halten, möchte ich außerdem noch einmal abends gemütlich allein mit meinem Mann essen gehen!


Fast live dabei: Eine Blitzgeburt

Gestern war ich fast live bei einer Geburt dabei. Nur fast, aber das war schon ein unglaubliches Erlebnis. Ich habe wie immer in der „Oase“ der Kreißsaalstation gewartet, bis ich mit der täglichen Untersuchung dran war, als ein leicht hysterischer Vater mit offensichtlich bald werdender Mutter und siebenjährigem Sohn die Station betrat. Die Frau wurde gleich in einen Kreißsaal gebracht, und der männliche Teil der Familie wartete bei mir. Der arme Mann war ganz aufgeregt, hat telefonisch versucht, kurzfristig für seinen Sohn einen Babysitter zu organisieren und hat immer mal wieder kurz nach seiner Frau geschaut. Als er dann wieder mal am Telefon vor der Tür hing, suchte ihn die Hebamme, weil seine Frau nach ihm und etwas zu trinken verlangte und es allmählich wohl richtig ernst wurde. Ich hatte ja eh nichts zu tun, habe den Mann wieder reingeholt, ihn beruhigt und ihm versprochen, nach seinem großen Sohn zu sehen. Mit dem habe ich mich dann auch gut verstanden, er konnte besser Kopf rechnen als ich und sein gemaltes Piratenschiff war auch besser gelungen als meines. Nach einer halben Stunde kam der Vater wieder, in Tränen aufgelöst, weil die Geburt so schnell und problemlos verlaufen war, und das Baby und seine Mutter gesund waren. Ich musste fast mitheulen und gebe zu: Ich habe die Familie beneidet um die komplikationsfreie Blitzgeburt. Ach ja, und dann wurde ich aufgerufen und durfte zum täglichen CTG in den gerade frei gewordenen Kreißsaal.


Täglich grüßt das Murmeltier

Und täglich grüßt das Murmeltier: Aufstehen, anziehen, frühstücken, Krankenhaus. Dort warte ich in der „Oase“, bis ein Kreißsaal oder ein Wehenzimmer frei ist, und eine Hebamme Zeit hat, um mich zu verkabeln. Das kann schon mal eine Stunde oder länger dauern. Je nachdem, wie viele Babys gerade auf die Welt wollen. In der Zwischenzeit sitzt Christian daheim wie auf Kohlen, weil er ja eigentlich zur Arbeit muss und sehnsüchtig auf meine Rückkehr wartet, aber mittlerweile schon den dritten Duploturm für Daniel bauen darf.
Ich habe keine guten Erinnerungen an Daniels Geburt und das Drumherum im Krankenhaus. Als gestern dann tatsächlich der gleiche Oberarzt und die gleiche Hebamme vor mir standen, die mich während des Horrortrips vor zwei Jahren begleitet haben, kamen mir auch noch die Tränen. Fanden die beiden aber nicht so schlimm, wahrscheinlich passiert das öfter. Und laut meiner Patientenakte war Daniels Geburt in der Tat nicht ganz ohne.
Für mich sind einerseits die Erinnerungen schlimm und andererseits die unterschiedlichen Meinungen der Oberärzte. Jeden Tag steht ein anderer vor mir, und entweder wollen sie das Baby gleich auf die Welt holen, mich im Krankenhaus behalten oder noch ein bisschen abwarten. Langsam weiß ich gar nicht mehr, was ich ernst nehmen soll. Zum Glück hat das Murmeltier morgen Pause, weil ich morgen zu einem regulären Termin bei der Frauenärztin muss. Mal schauen, welche Meinung die vertritt ...


Überraschung im Krankenhaus

Jetzt kann ich aber von Glück reden, dass ich diese Zeilen überhaupt noch schreiben darf. Diese Woche habe ich mich nämlich im Krankenhaus zur Geburt angemeldet. Und die wollten mich nach der Untersuchung gleich dort behalten. Weil mein Blutdruck viel zu hoch war (150:100). Und weil das Kind in meinem Bauch so leicht ist und so einen kleinen Kopf hat.
Schock, damit hatte ich definitiv nicht gerechnet. Natürlich habe ich öfter mal Kopfschmerzen oder Schwindel, einmal hatte ich sogar leichtes Augenflimmern, und müde und schlapp bin ich ständig. Ich habe das halt auf meinen Lebenswandel mit Kind, Bauch, Arbeit und Schlafmangel geschoben. Auf Bluthochdruck bin ich wirklich nicht gekommen. Vielleicht ist das Kind in meinem Bauch deswegen so klein und leicht?
Ich durfte jedenfalls nur unter der Auflage wieder nach Hause, mich in den verbleibenden sechs Wochen besser zu schonen und täglich zur Kontrolle ins Krankenhaus oder zur Ärztin zu gehen. Das ist natürlich besser, als mich wochenlang in einem Krankenhausbett zu langweilen, stellt mich aber vor gewaltige logistische Probleme. Erstens kann ich mich mit Daniel an der Seite nicht besser schonen als bislang, und zweitens kann ich ihn weder jeden Tag zur Frauenärztin noch ins Krankenhaus mitnehmen. Eine halbe Stunde CTG bietet einfach zu viele Gelegenheiten, verbotene Knöpfe zu drücken, an bunten Kabeln zu ziehen oder einfach nur ein bisschen zu schreien. Und ich, „angekettet“ an die CTG-Liege, könnte noch nicht mal darauf reagieren!


„Erstlingsausstattung“ für Groß und Klein

Allmählich wird es Zeit, sich mal um die „Erstlingsausstattung“ zu kümmern. Ich habe erst einmal aus dem Kopf heraus eine Liste mit allem Nötigen geschrieben und sie dann mit den Ratschlägen aus meinen Schwangerschaftsbüchern verglichen. Ergänzen musste ich zum Glück nichts, denn ich brauche garantiert weder Frotteehöschen noch ein Stillkissen oder gar einen Sterilisator. Dafür habe ich ganz groß „Stillhütchen“ und „Brustwarzensalbe“ auf meine Liste gesetzt, damit sich Daniels Stilldrama nicht im selben Ausmaß wiederholen kann.
Die Liste war ja noch der einfachere Teil der Aufgabe. Als nächstes musste ich nämlich alle Kartons mit Daniels Baby-Ausstattung öffnen und durchschauen, die ich bei meinen Eltern zwischengelagert hatte. Danach stand fest: Unser Baby braucht nichts zum Anziehen außer einer dicken Winterjacke (vielleicht doch in rosa?). Den Stubenwagen hat meine Mutter mir dankenswerterweise wieder hergerichtet, Neugeborenen-Windeln waren schnell gekauft und meine jüngste Nichte ist aus ihrer Baby-Schale gerade noch rechtzeitig hinausgewachsen. Und alles von Wickelauflage bis zur abgerundeten Nagelschere ist ja ohnehin noch ständig in Gebrauch.
Halt – ein Kiddyboard für das große Geschwisterkind stand in keiner einzigen Checkliste. Irgendwie müssen wir Daniel ja versüßen, dass er seinen Kinderwagen bald an sein Geschwisterchen abtreten muss. Und so ein rollendes Brett am Kinderwagen zum Draufstellen ist sicher eine flexiblere Lösung als ein wuchtiger Geschwisterwagen. Ganz wichtig ist auch ein Geschenk, das das Baby seinem großen Bruder ins Krankenhaus mitbringt: Daniel wird einen kleinen Werkzeugkasten bekommen, sein Geschwisterchen dafür hoffentlich besonders ins Herz schließen und sich außerdem während des Endlos-Stillens brav mit dem neuen Spielzeug beschäftigen.


Komplikationen beim Partnerabend

Neulich war der so genannte Partnerabend in meinem Geburtsvorbereitungskurs. Alles sollte sich um die bevorstehende Geburt drehen – zum Glück aber ohne die Vorführung eines Geburtsfilms, der mich in meinem ersten Vorbereitungskurs die Schwangerschaft schon fast hatte bereuen lassen. Unsere Nachbarin kümmerte sich um Daniel, und so konnte Christian mich dieses Mal begleiten und einen „Hechelkurs“ mal live erleben.
Unsere Hebamme hat erst einmal allgemein die Phasen einer Geburt beschrieben und dann erklärt, wo die Partner erfahrungsgemäß am besten Unterstützung leisten können. So weit, so gut. Denn dann kam sie auf die möglichen Komplikationen im Geburtsverlauf zu sprechen. Zum Beispiel, dass die Geburt eingeleitet werden muss. Zum Beispiel, dass die Wehen ausbleiben. Zum Beispiel Geburtsstillstand. Zum Beispiel Einsatz einer Saugglocke. Die Frage der Hebamme, ob denn eine der Zweitgebärenden solche Hindernisse habe überwinden müssen, mussten wir leider jedes Mal bejahen. Dreifache Einleitung, Wehen im Minutentakt, Badewanne, Wehentropf, Saugglocke und dann noch Vollnarkose mit Ausschabung – die Schwierigkeiten bei Daniels Geburt hätten eigentlich für drei Schwangerschaften gereicht.
„Und da kriegt ihr echt noch ein Kind?“ hat uns anschließend eine Mit-Schwangere gefragt, die auch das zweite Baby erwartet. Tja, sieht wohl danach aus. Ich tröste mich immer damit, dass die zweite Geburt auf gar keinen Fall schlimmer werden kann als die erste!


Etwa doch ein Mädchen?

Letzte Woche war ich mal wieder zum Ultraschall bei der Frauenärztin. Und sie glaubt gesehen zu haben, dass unser Baby eventuell doch ein Mädchen sein könnte. Mal so vorsichtig formuliert. Weil das aber nicht hundertprozentig sicher ist, freue ich mich mal noch nicht zu sehr. Ich nenne den Mitesser in meinem Bauch nicht "Mädchen" oder gar „Juliane“ oder spreche von "ihr". Ich tapeziere das Kinderzimmer nicht rosa und kaufe ihr, äh, ihm noch keine Puppe. Jedenfalls noch nicht vor dem nächsten Ultraschalltermin…
So weit die hoffentlich gute Nachricht des Tages. Auffällig bei der Untersuchung war dagegen der extrem kleine Kopf von Kind zwei. Der Umfang sollte zum jetzigen Stand der Schwangerschaft eigentlich schon größer sein, und auch sonst ist das Lebewesen in mir eher klein, zart und leicht. Und das, obwohl es nachweislich gut versorgt wird, und ich ihm ja auch reichlich zu futtern gebe. Meine Frauenärztin hat zum Glück alles gründlich überprüft und vorsichtshalber ein CTG schreiben lassen.
Apropos CTG – das ist ja schon eine spannende Sache, „Töne“ vom Baby aus dem Bauch zu hören. Auf viele Schwangere hat dieses dauernde „bum bum“ wohl eine einschläfernde Wirkung, mir aber blieb zum Schlafen leider keine Zeit. Denn ständig waren die Herztöne weg, weil unser Kind von innen kräftig gegen die Messinstrumente trat und immer wieder seine Lage veränderte. Drei oder vier Mal musste die Arzthelferin die Herztöne wieder suchen, bis unser Baby endlich ein brauchbares CTG geliefert hatte. Hat ihr, äh, ihm wohl nicht gefallen, schon im Bauch unter dauernder Beobachtung zu stehen…


Fragen-Flut am Info-Abend

Ja, ich habe es mir tatsächlich nochmal angetan. Ich habe eine Geburtsklinik besichtigt. Eine Belegarztklinik, mit der eine Bekannte von mir sehr zufrieden war. Vor Daniels Geburt habe ich mir drei Krankenhäuser angeschaut. Und die Info-Abende mit den zahllosen Fragen der schwangeren Väter und mit den Kreißsälen, die just beim Rundgang alle besetzt waren, fand ich damals schon nervig. Aber jetzt interessierten mich doch mal die Unterschiede zu den Belegkliniken, von denen man so viel Gutes hört.
Wie schon erwartet, durfte ich mich am Info-Abend mit rund 50 anderen Schwangeren und ihren Partnern in einen kleinen Saal quetschen. Die Ärzte, Schwestern und Hebammen machten einen sehr netten und kompetenten Eindruck und erzählten von ihrer Arbeit und dem Ablauf einer Geburt.
Vor allem aber waren sie unendlich geduldig! Ehrlich, ich wäre bei der Fragen-Flut, die das Krankenhaus-Personal überschwemmt hat, gnadenlos untergegangen. Und wahrscheinlich unhöflich geworden, denn da waren so viele dämliche Fragen dabei, die zum Großteil jedes Schwangerschaftsbuch oder gleich der gesunde Menschenverstand beantwortet. Manche hatten ganze Listen dabei, die sie Frage für Frage abarbeiteten - von der Kaiserschnittrate über die PDA bis zur Unterwassergeburt.
Mir hat die Klinik zwar gefallen, aber Konzept und Ausstattung unterschieden sich jetzt auch nicht wesentlich von den städtischen Krankenhäusern, die wir uns vor Daniels Geburt angeschaut hatten. Außer, dass ich mich jetzt extra noch bei einem der Belegärzte vorstellen müsste, aber nicht mal die Garantie hätte, dass der dann bei der Entbindung auch dabei ist. Also werde ich mich doch wieder in Daniels Geburtsklinik anmelden. Da kann ich mir wenigstens den Info-Abend ersparen ...


Hormone, Hormone…

Eigentlich bin ich ja ein äußerst nüchterner und pragmatischer Mensch, Gefühlsduseleien und romantische Anwandlungen sind mir völlig fremd. Nicht einmal meine beiden Schwangerschaften haben mich da bislang aus der Bahn geworfen. Bis vor kurzem jedenfalls. Denn seit neuestem spielen die Hormone (einer muss ja schuld sein) mir immer öfter üble Streiche.
So habe ich doch tatsächlich neulich beim Kinderkleider-Basar in unserer Kirchengemeinde etwas zum Spielen für unser noch Ungeborenes gekauft: eine Stapel-Pyramide von Duplo in Form einer Giraffe. Christian hat mich etwas schief angeschaut, als ich damit nach Hause kam, und das hat mich sofort wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Natürlich haben wir schon eine Stapel-Pyramide (halt nicht in Form einer Giraffe) und auch sonst Unmengen an Baby-Spielsachen. Na ja, unser Baby wird sich hoffentlich trotzdem über so ein eigentlich überflüssiges Spielzeug freuen.
Am Wochenende waren wir dann unterwegs, um für Daniel eine neue Winterjacke zu kaufen. Haben wir auch, aber dann war da noch dieser unendlich hübsche Jeans-Minirock in Größe 68 mit einem aufgestickten Glitzerstern. Den wollte ich unbedingt haben (nicht für mich, natürlich für das Mädchen in meinem Bauch), aber Christian hat sich geweigert, das Röckchen zu kaufen. Im Nachhinein betrachtet, hat er ja auch Recht. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob Kind zwei eine Tochter wird, und außerdem sind Röcke für Säuglinge definitiv unpraktische Kleidungsstücke. Aber trotzdem!
Hormon-Chaos Nummer drei hat – jetzt bitte nicht lachen – die x-te Wiederholung der Kino-Schnulze „Pretty Woman“ bei mir ausgelöst. Ich habe wirklich angefangen zu heulen, als Julia Roberts alias Vivian aus dem Hotelzimmer ausgezogen und wieder in ihr altes Leben zurückgekehrt ist und Richard Gere alias Edward sie dann doch noch zurückgeholt hat. Da hat Christian nur noch den Kopf geschüttelt. Bis zum Ende der Schwangerschaft habe ich mir jetzt vorsichtshalber mal ein Einkaufs- und Schnulzenverbot auferlegt. Hoffentlich erlöst Kind zwei mich wenigstens termingerecht davon und bleibt nicht länger als nötig in meinem Bauch!


Bitte eine Mütze Schlaf!

Dass das mit dem Schlaf bei uns so eine Sache ist, habe ich ja schon erwähnt. Daniel hält seit seinen Baby-Tagen Schlaf für relativ überflüssig: Zehn Stunden nachts, meist mit mehreren Unterbrechungen, und maximal eine Stunde mittags verbringt er im Bett, sehr zu meinem Leidwesen. Mittlerweile schläft er immerhin zwei bis drei Mal die Woche die komplette Nacht durch. Aber dafür sorgt jetzt Kind zwei dafür, dass ich nicht mehr schlafen kann.
Ich weiß nämlich nicht mehr, wie ich mich überhaupt noch hinlegen soll. In der ersten Schwangerschaft konnte ich prima auf dem Rücken schlafen, das funktioniert jetzt leider gar nicht. Stattdessen wälze ich mich ständig von einer Seite auf die andere. Und weil ich mir zig Kissen zwischen die Beine und unter die Rippen geklemmt habe, muss ich die bei jedem Umdrehen ja wieder neu sortieren. Wenn ich dann gerade mal eine annehmbare Schlafposition gefunden habe, muss ich garantiert auf Toilette. Das passiert mindestens einmal pro Nacht. Bis ich dann endlich eingeschlafen bin, steht meistens schon wieder Daniel neben meinem Bett, und ein neuer Tag beginnt.
Außerdem ist das kleine Lebewesen in meinem Bauch definitiv nachtaktiv. Tagsüber spüre ich gar nicht so viel von ihm, entweder weil es um mich herum zu turbulent zugeht oder weil es tatsächlich schläft. Nachts schlägt dann seine Stunde, und es tritt und boxt eifrig gegen meine Eingeweide. Ich kann ihm ja nicht verdenken, dass es auch irgendwann ein bisschen Aufmerksamkeit einfordert. Aber doch nicht, wenn ich gerade am Einschlafen bin! Dabei sind diese schlaflosen Nächte wahrscheinlich schon ein erster Vorgeschmack auf das anstrengende Leben nach der Geburt: Daniel wird mich tagsüber wie gewohnt auf Trab halten, und sein Geschwisterchen wird dafür nachts alle Register ziehen: stillen, wickeln, einschläfern ...


Ich im Mittelpunkt meines Lebens

Ich verstehe gar nicht, dass es so vielen Leuten schwer fällt, allein zu sein. Dass sie lieber jeden Abend in einer anderen Kneipe und die Wochenenden auf Partys und in Diskotheken verbringen, statt mal die Ruhe mit sich selbst zu genießen. Bei mir ist es genau anders herum: Ich hätte oft liebend gerne mal meine Ruhe, ein paar Stunden für mich, zum Ausruhen oder um mal wieder ein Buch zu lesen. Statt dessen habe ich immer ein wuselndes Kleinkind um mich herum, das mich noch nicht mal nachts richtig zur Ruhe kommen lässt.
Umso mehr habe ich mich gefreut, als Christian mir neulich ein ganzes Wochenende für mich ganz allein geschenkt hat. Und noch nicht mal daheim in München, wo mich wahrscheinlich mein Haushalt die ganze Zeit anklagend angeschaut hätte. Daniel und er haben mich nach Salzburg gefahren, in ein hübsches Hotel am Rand der Innenstadt. Und da stand für zwei Tage tatsächlich ich ganz allein im Mittelpunkt meines Lebens. Ich habe ausgeschlafen, bis das Frühstücksbüffet schon beinahe abgeräumt war. Ich bin zu einer Aussichtsterrasse mit wunderbarem Blick über Salzburg gewandert und habe dort ein Buch gelesen. Ich bin lange in Straßencafés gesessen und habe gemütlich Kaffee getrunken. Ich habe Geschäfte betreten, um die ich mit Daniel zusammen einen weiten Bogen gemacht hätte: Krimskrams-Läden mit tausend verschiedenen Dingen von Strohsternen bis Glaskugeln, die auf Kinderhände unweigerlich eine enorme Anziehungskraft ausgeübt hätten.
Ein rundum gelungenes und unvergessliches Wochenende - lediglich ein paar Mal hat mir mein eigentliches Leben dann doch gefehlt. Beim Spazierengehen habe ich die ganze Zeit etwas vermisst und kam mir immer so unvollständig vor. Erst nach ungefähr einem halben Tag habe ich festgestellt, dass mir der Kinderwagen fehlt, der mich ja sonst auf allen meinen Wegen begleitet. Und alleine essen zu gehen, war ebenfalls sehr ungewohnt: Einerseits musste ich niemanden füttern und ermahnen, andererseits hat mich auch niemand unterhalten, während ich aufs Essen gewartet habe ...


Geburtsvorbereitung für watschelnde Enten

Mein Bauch wächst, und mein Gang gleicht immer mehr dem einer watschelnden Ente – es ist also höchste Zeit für einen Geburtsvorbereitungskurs. Ich habe das zwar alles schon mal hinter mir (also Kurs inklusive anschließender Geburt), aber man lernt ja nie aus. Und wenn ich an das Desaster der ersten Geburt denke, dann kann ein zweiter Kurs nur von Vorteil sein, damit der nächste „Versuch“ weniger dramatisch endet. Ich habe mich zu einem Kurs in einem städtischen Krankenhaus hier in der Nähe angemeldet, einmal wöchentlich abends, ohne Kinder und mit einem einzigen „Partner-Abend“.
Die erste Stunde, die ich diese Woche hatte, war auch echt viel versprechend. Die Hebamme, die den Kurs leitet, ist ungeheuer nett und erfahren, und die werdenden Mütter sind ein bunt gemischter Haufen – von der 29-Jährigen, die ihr drittes Kind erwartet, bis hin zur 38-jährigen Erstgebärenden. Erst durften wir uns alle vorstellen, und dann hat die Hebamme unsere Bäuche abgetastet. Unser Baby lag da gerade mal brav mit dem Kopf nach unten und hat natürlich eifrig gezappelt. Und durch bloßes Abtasten hat die Hebamme die letzte Aussage meiner Frauenärztin bestätigt: Kind zwei scheint tatsächlich etwas klein und leicht geraten zu sein für die aktuelle Schwangerschaftswoche. Na ja, was nicht ist, kann ja noch werden.
Dann haben wir noch ein paar Atemübungen gemacht und sind, so gut es unsere Bäuche zuließen, auf großen Gymnastikbällen herumgekugelt. Die Atmosphäre war entspannt und angenehm, die fünf Minuten Pipi-Pause konnten wir alle gut gebrauchen, und ich freue mich schon auf nächste Woche!


Zwischen Business und Bauklötzen

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich nebenbei noch arbeite? Nicht viel, jeden Tag eine Stunde, wenn Daniel mittags schläft, oder eben abends oder am Wochenende. Dann schreibe ich Pressemitteilungen, PR-Texte und Fachartikel für meinen ehemaligen (Vollzeit-)Arbeitgeber, meistens bequem von zu Hause aus. Regelmäßig lasse ich mich an meinem früheren Arbeitsplatz sehen, und neulich hielt mein bescheidenes Arbeitsleben etwas ganz Besonderes für mich bereit: Ich durfte zu einer Fachmesse rund um Sonnenschutztechnik nach Stuttgart fahren und dort eine Messezeitung recherchieren und schreiben. Das ging natürlich nicht an einem einzigen Tag, gleich vier Tage vor Ort waren dafür eingeplant.
Das hieß: Vier Tage ohne Kind (das erste Mal für uns), dafür mit „anständigen“ Klamotten am Körper und Laptop unterm Arm statt Kinderwagen vor dem Bauch. Die business-tauglichen Klamotten musste ich mir erstmal kaufen bzw. leihen, meine Vor-Schwangerschafts-Hosenanzüge waren natürlich alle zu eng an Bauch und Brust. Als Babysitter sind dankenswerterweise meine Schwiegereltern eingesprungen, weil mein Mann leider just zum selben Zeitpunkt zu einem Seminar nach Berlin musste.
Es hat riesigen Spaß gemacht, mal wieder „richtig“ zu arbeiten, auch wenn die Tage auf der Messe wirklich anstrengend waren. Acht bis neun Stunden war ich am Messestand, habe interviewt, fotografiert, beobachtet und recherchiert und abends im Hotelzimmer noch mal zwei bis drei Stunden die Texte des Tages geschrieben. Und trotzdem, am Ende hatte ich ein vorzeigbares Ergebnis - eine gut gefüllte Messezeitung. Und damit hielt ich ein ungewohntes Erfolgserlebnis in der Hand.
Ich habe zwar nicht viel geschlafen in den vier Nächten, aber immerhin durfte ich durchschlafen, in Ruhe duschen und ordentlich frühstücken. Und keiner meiner Ansprechpartner hat sich schreiend vor mir auf den Boden geworfen, konnte seine Schuhe nicht alleine anziehen oder wollte einen Bauklotz-Turm bis zum Himmel bauen! Ich konnte zwar nicht selbst über meine Zeit verfügen, aber so fremdbestimmt wie mit einem Kleinkind an der Seite war ich auch nicht. Ich hatte noch nicht einmal Zeit, meine Familie zu vermissen. Und dennoch war ich ein bisschen enttäuscht, als Daniel mich bei meiner Rückkehr prompt mit „Oma“ anredete und verkündete, dass er nicht mehr mit nach München wolle ...


Kilos stemmen an der Wackelbrücke

Immer wieder habe ich in letzter Zeit gelesen, dass Schwangere nicht mehr als fünf Kilo heben sollen. Haha, wie soll denn das gehen? Daniel wiegt satte 13 Kilo und muss eigentlich ständig hochgehoben werden. Das mit dem Lichtschalter-An-und-Ausknipsen (ein äußerst beliebtes Spiel) von meinem Arm aus habe ich zwar schon drastisch eingeschränkt. Aber das Hochklettern auf den Wickeltisch klappt leider nicht so reibungslos wie gehofft, und auch Wutanfälle lassen sich nach wie vor am besten auf Mamas Arm beenden.
Immerhin das Kinderturnen kann ich mittlerweile etwas langsamer angehen. Einmal in der Woche gehen Daniel und ich seit ein paar Monaten zum Eltern-Kind-Turnen, und bislang habe ich immer tapfer geholfen, Turngeräte von Wackelbrücken bis zu Ringeschaukeln aufzubauen. Ich habe Matten geschleppt, Kästen gestapelt und bin quer durch die Halle gerannt. Seitdem mein Babybauch nicht mehr zu übersehen ist, halte ich mich da allerdings vornehm zurück. Ich muss Daniel zwar immer noch bei allen Turnübungen tatkräftig unterstützen (und natürlich hochheben), aber die noch schwereren Arbeiten überlasse ich gerne den turnenden Vätern und nicht-schwangeren Müttern. So tue ich hoffentlich beiden Kindern einen Gefallen und falle trotzdem nicht unangenehm auf…


Schwanger im Duett

Irgendwie hatte ich in letzter Zeit den Eindruck, dass ich als Einzige im Münchener Südosten schwanger bin. In meinem (mittlerweile recht beachtlich großen) Mütter-Bekanntenkreis wollen entweder alle noch ein bisschen mit dem zweiten Kind warten oder es gar bei einem belassen. Und zwei Mit-Mütter aus der Krabbelgruppe haben sogar schon „nachgelegt“ und gerade mal eineinhalb Jahre oder ein bisschen mehr Abstand zwischen beiden Kindern.
Da beruhigt es mich doch, dass eine meiner besten und ältesten Schulfreundinnen mir neulich „gebeichtet“ hat, dass sie auch schwanger ist. Endlich eine Leidensgenossin! Und der voraussichtliche Entbindungstermin liegt nur eine Woche vor dem unseren! Bei unserem nächsten Treffen werden wir erst mal Bauchvergleiche anstellen und uns gründlich über unseren Zustand austauschen. Schwanger im Duett – das sind doch gute Neuigkeiten auch für unser Baby: Es muss nicht allein unter ausschließlich größeren oder kleineren Kindern aus unserem Bekanntenkreis aufwachsen! Einziger Wermutstropfen: Meine Freundin wohnt drei Autostunden entfernt, dafür ganz in der Nähe meiner Schwester. Ein Grund mehr, in Zukunft öfter mal meine Familie zu besuchen…


Hürde Hebamme

Noch eine wichtige Hürde in meinem Schwangerschafts-Hindernislauf ist genommen: Ich habe eine Nachsorgehebamme gefunden, die sich für unseren Stadtteil zuständig fühlt und noch dazu im voraussichtlichen Entbindungszeitraum Zeit hat! Da ist mir ein ganzer Steinbruch vom Herzen gefallen, denn das ist hier nicht selbstverständlich. Am Ende meiner ersten Schwangerschaft stand ich nämlich fast ohne Nachsorgehebamme da. Ich bin damals erst mit dem Mutterschutz, also ein paar Wochen vor der Geburt, nach München gezogen, und konnte mich auch dann erst um die Hebammen-Unterstützung im Wochenbett kümmern. Und alle Hebammen, die ich damals anrief, waren entweder nicht für unsere Gegend zuständig, im betreffenden Zeitraum gerade im Urlaub, selbst hochschwanger oder auf Mutter-Kind-Kur.
Eine einzige Hebamme hatte damals für mich Zeit, und die wollte ich jetzt nur im absoluten Notfall noch mal anfragen. Sie war zwar sehr nett, aber wirkliche Unterstützung hatte ich mir doch ein bisschen intensiver vorgestellt. Vielleicht lag es daran, dass sie so gern von sich selbst und ihrer Familie erzählte. Oder daran, dass sie jedes Mal fluchtartig ihren Besuch beendete, wenn Daniel – schon damals ein ausgemachter Schreihals – gerade einmal für zehn Sekunden die Klappe hielt. Oder daran, dass wir sie immer rechtzeitig anrufen sollten, wenn Daniel Hunger bekam, damit sie mir beim Stillen (mein absoluter Alptraum!) helfen konnte. Aber woher sollten wir wissen, ob ein Baby, das sich bis zu zehn Stunden am Tag die Seele aus dem Leib schrie, Hunger oder Bauchschmerzen hatte oder einfach nur mit sich, seinen Eltern und der Welt unzufrieden war?
Na ja, aus Erfahrung wird man klug, und deshalb habe ich mich jetzt erst mal in meinem Mütter-Bekanntenkreis umgehört. Die Hebamme, für die ich mich schließlich entschieden habe, hat meine Nachbarin und ihr Baby damals super versorgt, hat für ihr junges Alter schon relativ viel Erfahrung und zudem noch eine Ausbildung als Heilpraktikerin (kann ja nie schaden). Ich habe sie mal in dem Babytreff besucht, den sie zusätzlich leitet, und fand sie gleich sympathisch. Das zweite Wochenbett kann also nur besser werden!


Exklusives „Bauchkino“

Heute stand der „große Ultraschall“ an, eine Untersuchung, bei der die Frauenärztin unser Baby ein bisschen genauer als sonst anschaute, untersuchte und vermaß. Christian hatte sich für das exklusive „Bauchkino“ extra frei genommen, und Daniel mussten wir mangels Babysitter auch mitnehmen.
Ein Genuss war dieser Arzttermin so natürlich nicht. Denn wir waren erst mal komplett damit beschäftigt, unseren Sohn von sämtlichen Kabeln und Knöpfen im Untersuchungszimmer fernzuhalten. Erst als die Ärztin für die Ultraschall-Untersuchung den Raum abdunkelte, setzte Daniel sich brav auf Christians Schoß. Nur still war er dabei nicht. Wohl wegen der für ihn ungewohnten Situation jagte eine „Warum“-Frage die nächste. Das lenkte uns leider ein bisschen von der eigentlichen Untersuchung ab. Aber immerhin ist hängen geblieben, dass an Kind Nr. 2 offensichtlich alles dran ist, auch wenn es ein bisschen klein und leicht für sein Alter ist. Ist aber noch kein Grund zur Sorge, und außerdem: Noch mehr essen kann ich wirklich nicht – und wenn, wer weiß, ob das auch wirklich auf das Baby durchschlägt oder noch mehr auf meinen Hüften ansetzt…
Und meine wichtigste Frage – die nach dem Geschlecht – konnte die Frauenärztin leider nicht beantworten. Unser Baby war während der Untersuchung zwar mächtig in Aktion, hat sich aber ganz „gschamig“ (wie ein waschechter Münchener es wohl ausdrücken würde) weggedreht, als der Ultraschallkopf sich der entscheidenden Körperregion näherte. Das spricht meiner Ansicht nach ja ganz eindeutig für ein Mädchen, die Bestätigung dafür gibt es aber wohl spätestens nach der Geburt ...


Tooooooooor!!

Ich bin ja eigentlich überhaupt kein Fußball-Fan. Obwohl ich die Abseits-Regel kenne und sogar verstanden habe. Und obwohl ich einen bekennenden Bayern-München-Fan zum Ehemann habe. Jedenfalls wohne ich seit vier Jahren in München und kannte die Allianz-Arena, das Schlauchboot förmige neue Fußballstadion am nördlichen Rand der Landeshauptstadt, bislang nur vom Vorbeifahren auf der A9.
Letzte Woche durfte ich die heiligen Fußball-Hallen zum ersten Mal betreten, und das gleich zu einem besonders denkwürdigen Spiel: dem Abschiedsspiel von Bayern-Torhüter Oliver Kahn, FC Bayern gegen die deutsche Nationalmannschaft. Mein Vater, der mir übrigens auch die Abseits-Regel beigebracht hat, hat die Eintrittskarte dafür von uns zum Geburtstag bekommen. Und weil Christian arbeiten musste, durfte ich ihn begleiten, während meine Mama sich um unseren Nachwuchs kümmerte. Das Spiel war zwar mäßig spannend (Endstand 1:1), und selbst als hormongesteuerte Schwangere musste ich zu Olli Kahns Abschied nicht eine einzige Träne vergießen. Aber der fantastische Blick auf das Spielfeld (ich habe tatsächlich mehr gesehen, als ich an unserem alten kleinen Fernseher jemals erkannt hätte) und die atemberaubende Stimmung im Stadion waren ein echtes Erlebnis.
Das Lebewesen in meinem Bauch scheint von der Atmosphäre und dem Spiel auch schon einiges mitbekommen zu haben. Er oder sie hat jedenfalls die ganze Zeit heftig gearbeitet, mit den Beinen getreten und mit den Armen gerudert. Entweder fand SIE Fußball an sich total langweilig oder vielleicht auch Luca Toni oder Bastian Schweinsteiger besonders anziehend. Oder ER hat schon mal für die C-Jugend Kicken geübt, weil er selbst mal eine Karriere als Torjäger (oder vielleicht Torhüter?) starten will ...


Erste Klopfzeichen

Hurra, es lebt! Unser Baby hat sich zum ersten Mal bewegt! Zumindest zum ersten Mal so, dass ich es gespürt habe. Ein richtiges Klopfzeichen, kein zartes Ziehen oder gar nur ein Gefühl wie die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“. Ich habe auch schon seit Tagen angestrengt in mich hineingelauscht, und dann, als ich abends in meinem Lieblingssessel saß, habe ich es ganz deutlich gespürt – ein Tritt gegen die Bauchdecke, natürlich noch nicht schmerzhaft, aber klar zu identifizieren.
Die ersten Klopfzeichen fand ich auch während der ersten Schwangerschaft unheimlich spannend. Daniel hat sich ziemlich genau zur Halbzeit das erste Mal bemerkbar gemacht. Damals saß ich im Auto und bin nach München gefahren. Natürlich lebt das Baby auch schon vor diesen ersten spürbaren Regungen, aber halt so nebenbei und ohne merkliches Eigenleben. Mit diesen ersten Klopfzeichen habe ich auch dieses Mal wieder das Gefühl, als ob die Schwangerschaft in eine neue Dimension tritt. Oder als ob eine neue, erste wirkliche Form der Kommunikation möglich wird. Wahrscheinlich alles Quatsch, aber dennoch ein tolles Gefühl!


Rettung in der Münchener Hitze

Diese Hitze macht mich fertig. Jetzt bin ich noch nicht mal hochschwanger, und trotzdem sind meine Arme und Beine schon so geschwollen, dass ich nur noch offene Schuhe anziehen und meinen Ehering gerade mal noch auf den kleinen Finger stecken kann. Am liebsten würde ich mich gar nicht mehr bewegen, sondern meine Tage in der Hängematte verbringen, mit literweise Wasser und einer riesigen Portion Eis neben mir.
Geht aber nicht, da gibt es ja noch Daniel, dem die Hitze allerdings auch ganz schön zu schaffen macht. Er will gar nicht mehr vor die Tür gehen, und wenn ich ihn dann doch mal dazu überrede (weil wir zum Beispiel neue Überraschungseier oder neues Eis kaufen müssen), verlässt er seinen Buggy nicht für eine Sekunde. Pech für mich: Buggy-Schieben in der Münchener Nachmittagshitze macht nämlich nur mich müde, Daniel bleibt dann gerne mal bis zum späten Abend wach…
Bis ich neulich den rettenden Einfall hatte: Morgens stellte mein Mann mir den Liegestuhl unter den schattigen Kirschbaum und direkt daneben eine große Wanne mit warmem Wasser (unser Planschbecken ist leider undicht, seit ein Spielkamerad unseres Sohnes gleich bei der Bade-Premiere ein Loch rein gebissen hat). Daniel war mindestens eine Stunde lang damit beschäftigt, das Wasser von einem Becher in den nächsten und dann in die angrenzenden Blumenbeete zu gießen. Und ich war tatsächlich fast nicht gefragt – mal abgesehen davon, dass ich ihn für jeden erfolgreichen Schüttvorgang ausgiebig loben musste – und durfte mich so lange ausruhen. Und mittags gönnte er mir gleich noch mal eine Pause, weil er extra-lange schlief. So lässt sich die Hitze doch aushalten!


Hab ich einfach vergessen…

Was wollte ich jetzt schreiben? Hab ich vergessen. Ist leider nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen, dass ich etwas vergesse. Ob das wohl ein besonderes Phänomen in der Schwangerschaft ist? Neulich habe ich verzweifelt meinen Autoschlüssel gesucht, der normalerweise tagelang unbenutzt an seinem Haken hängt. Na ja, dieses Mal lag er im Gemüsefach des Kühlschranks, direkt neben Paprika und Zucchini. Muss ich wohl beim Ausräumen der Einkäufe da hingelegt haben. Im Kleiderschrank, direkt neben meinen T-Shirts, gammelte eine benutzte Kaffeetasse vor sich hin, ihrem Zustand nach zu urteilen schon länger. Und Daniels heiß geliebten Schnuller habe ich, wohl in einem verzweifelten Versuch, ihm das Ding endlich abzugewöhnen, in unseren alten Plattenspieler gelegt.Zum Glück habe ich bis jetzt immer den Heimweg gefunden, noch keinen Arzttermin vergessen und an den Geburtstag meiner besten Freundin gedacht. Und damit ich künftig auch die „unwichtigen“ Dinge nicht vergesse, werde ich verstärkt mit Notizzetteln, Aufklebern und Handy-Alarm arbeiten. Und hoffen, dass mit dem zweiten Kind dann alles wieder gut wird…


Erlebnis und Erholung für alle

Also, Urlaub auf dem Bauernhof kann ich Familien mit kleinen Kindern nur empfehlen! Wir hatten zwar Pech mit dem Wetter (zum Glück hatte ich die Regensachen eingepackt), aber wirklich Glück mit unserem Bauernhof: Ganz ruhig am Dorfrand gelegen, äußerst kinderfreundlich ausgestattet und vor allem ausgesprochen nette Gastgeber.
Daniel war gleich hin und weg, für ihn war der Bauernhof ein neues und aufregendes Erlebnis. Er durfte im Stall Bobbycar fahren und mit seinem kleinen Besen den Kühen das Heu vor die Nase schieben. Die Melkmaschine fand er äußerst interessant, von den Kühen hielt er aber lieber Abstand, nachdem eine mit ihrer riesigen Zunge seine Jacke abgeleckt hatte. Nach ein paar Tagen traute unser Stadtkind sich sogar, die Katzen zu streicheln, die Meerschweinchen zu füttern und einen kleinen Hasen auf den Arm zu nehmen. Und einmal ist er sogar auf dem Pony geritten, richtig mutig für einen so kleinen Jungen! Und für uns bedeuteten die Tage im Allgäu ein Stück Erholung. Wir bekamen jeden Morgen frische Brötchen und Milch direkt von der Kuh, durften mittags schlafen und abends essen gehen. Wir haben viel mit Daniel unternommen, und nebenbei hat jeder von uns sogar ein komplettes Buch durchgelesen (das dauert sonst meist Wochen). Ich hatte sogar eine „Leidensgenossin“ auf dem Bauernhof: Sie war zwar schon hochschwanger und sollte ihren Nachwuchs eigentlich während unseres Aufenthaltes zur Welt bringen, aber das Kalb wollte nicht – da geht es braunen Kühen wohl auch nicht besser als hochschwangeren Frauen!


Endlich Urlaub

Hurra, wir fahren in Urlaub! Zwar nicht lange (nur fünf Tage) und nicht weit weg (zwei Autostunden von München), aber immerhin mal raus! Und noch dazu ganz Kleinkind-freundlich auf einen Bauernhof. Nicht dass Daniel in ein paar Jahren zu den Stadtkindern gehört, die glauben, dass die Milch in einem Tetrapak-Karton wächst! Wir haben lange im Internet gesucht und „Urlaub-auf-dem-Bauernhof“-Kataloge gewälzt, bis wir uns entschieden haben. Morgen fahren wir also auf einen kleinen Kinderbauernhof im Allgäu, mit Hochstuhl und Kinderbett in der Ferienwohnung, Spielplatz am Haus und ein paar Extra-Angeboten für Kinder. Und jeden Abend darf man bei der Stallarbeit helfen, Hasen streicheln und Meerschweinchen füttern. Hört sich wirklich prima an, und schon seit ein paar Tagen will Daniel jetzt dauernd seine drei Bauernhof-Bücher anschauen. Die müssen also unbedingt mit in den Koffer, genauso wie die heiß geliebten Puzzlematten, Windeln, Schlafsack, meine Folsäure-Tabletten, die Grundausstattung fürs Frühstück und vor allem Gummistiefel und robuste Klamotten für den Kuhstall. Puh, die Packerei für den Urlaub ist jedes Mal so anstrengend, dass man danach noch nötiger Erholung braucht als ohnehin schon. Ob man nach dem Kofferpack-Stress für zwei Kinder dann wohl die doppelte Menge an Urlaub braucht??   


Die Sache mit dem Namen

Einen Vorteil hat die zweite Schwangerschaft für uns auf jeden Fall: Wir können die Namenssuche ganz entspannt angehen. Beim ersten Kind hatten wir uns eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin noch nicht auf einen Namen geeinigt. Wahrscheinlich hat Daniel deswegen damals beschlossen, die mütterliche Höhle gut zwei Wochen zu spät und nur unter Zwang zu verlassen…Wir wussten damals ziemlich bald, dass unser Erstgeborenes ein Junge werden würde, und haben uns bei der Namenssuche in erster Linie auf Jungennamen konzentriert. Wir wollten einen Namen, den jeder versteht, aussprechen und auf Anhieb richtig schreiben kann. International durfte er ruhig sein, aber auf keinen Fall ein Modename. Kurz sollte er sein wegen unseres langen Nachnamens und durfte nicht auf „s“ enden. Und wegen Daniels fränkischstämmiger Familie schieden Namen wie „Beder“ (Peter) oder „Dorsden“ (Thorsten) auf der Stelle aus. Also, kurz gesagt, eine äußerst schwierige Namenssuche. Jeder hat die Namensvorschläge des anderen erst mal von vorn herein kategorisch abgelehnt. Auf „Daniel“ haben wir schließlich mehr oder weniger nach dem Ausschlussprinzip geeinigt…Ein Mädchen wäre übrigens kein Problem gewesen: Sie hätte „Juliane“ geheißen, da waren wir uns lustigerweise recht schnell einig. Und für unser zweites Kind ist die Namenssuche jetzt schon abgeschlossen. Ein Mädchen (worauf ich ja hoffe) heißt „Juliane“, und falls es doch noch ein Junge werden sollte, machen wir einfach einen „Julian“ draus. Warum haben wir das beim ersten Mal eigentlich nicht auch so gemacht?


Die erste Beule

Hilfe, ich gerate aus der Form! Man sieht wirklich eine erste bleibende Beule, wo bislang nur wohlgenährter Bauch war. Jetzt schon, das kann doch gar nicht wahr sein! Aber tatsächlich, ich habe drei Mal in den Spiegel geschaut, den Bauch extra weit eingezogen und die Luft laaaaang angehalten. Die Beule ist nicht verschwunden, da war nix zu machen.
Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich während der ersten Schwangerschaft bis zum sechsten Monat normale Hosen an. So was, ich stecke doch gerade erst irgendwo im vierten Monat. Kann ein Baby so schnell wachsen? Oder sollte ich vielleicht doch ein bisschen weniger Eis und Schokolade naschen? Na ja, weil es für Schwangerschaftshosen eindeutig noch zu früh ist (und ich gerade auch gar nicht weiß, wo ich die eigentlich hingeräumt habe), probiere ich panisch erst mal meinen Kleiderschrank durch. Vier Hosen und ein Rock bleiben übrig, alles andere scheidet als zu eng aus. Das muss also reichen, bis ich wirklich die Schwangerschaftshosen-Phase erreiche. Und außerdem tröste ich mich so lange mal damit, dass der Bauch in der zweiten Schwangerschaft angeblich immer schneller wächst als in der ersten (stand jedenfalls in meiner Baby-Bibliothek)….



Baby-Bibliothek zum "Gummibärchen"

Diese Woche hatte ich wieder eine Vorsorge-Untersuchung bei der Frauenärztin. Mutter und Kind sind wohlauf, mein kleiner Mitbewohner hat ein eifrig schlagendes Herz und mittlerweile das "Gummibärchen"-Stadium erreicht. Wie eines dieser Gottschalk-Gelee-Tiere sah das jedenfalls aus, was in dem Fruchtwasserbad auf dem Monitor herum schwamm.
Daheim habe ich erst mal das dicke Baby-Buch, das meine Schwester mir zu Beginn der ersten Schwangerschaft geschenkt hatte, aus dem Regal geholt und nachgelesen, was unser knapp drei Monate altes Gummibärchen eigentlich schon alles kann und von seiner Umwelt mitbekommt.
Ich muss doch öfter abends mal wieder zur "Fachliteratur" einer Schwangeren greifen.
Meine Baby-Bibliothek ist ohnehin enorm gewachsen, seit ich angefangen habe, Daniels Geschwisterchen publik zu machen. Zu meinem Baby-Buch und dem "Starter-Paket" aus der Frauenarzt-Praxis hat sich mittlerweile die "Hebammensprechstunde" aus dem Bestand meiner Freundin und, ebenfalls von einer Freundin, ein wirklich informatives Ratgeber-Buch zu Baby und Schwangerschaft gesellt. Und meine Nachbarin, die das "Eltern"-Magazin abonniert hat, sammelt extra die Seiten rund um das Thema Schwangerschaft für mich. Na, wenigstens ist unser Baby so schon im Bauch besonders belesen…



"Baby Bauch - wo?"

Eigentlich sollte man meinen, dass 20 Monate alte Kinder noch nichts mit Schwangersein und Babys im Bauch anfangen können. Ich habe Daniel trotzdem schon jetzt von seinem künftigen Geschwisterchen erzählt, mir war einfach danach. Außerdem musste ich ihm ja erklären, dass ich ihn nicht mehr so viel tragen kann und Tritte in den Bauch gar nicht mehr vertrage. Er hat mich ganz ernst angeschaut, meinen Bauch von allen Seiten gemustert und mal probehalber in meinen Nabel gepiekst: "Mama, Baby Bauch - wo?" Zugegeben, da sind nur meine ganz normalen Speckrollen und noch nicht mal ansatzweise ein straffer Baby-Bauch. Aber immerhin scheint Daniel doch was kapiert zu haben, denn am Nachmittag wollte er partout alleine in seinen Auto-Sitz kraxeln. "Mama nicht dragen, selber!" Er brauchte dann zwar doch noch ein bisschen Hilfe, aber bald wird er auch das alleine können - so wie er schon selbst in seinen Hochstuhl klettern und in sein Bett krabbeln kann. Der Kleine wird groß und selbständig. Höchste Zeit für ein neues Baby!


Müde ...

Die schlimmste "Nebenwirkung" in dieser ersten Zeit Schwangerschaft ist für mich diese ungeheure Müdigkeit. Am liebsten würde ich jeden Morgen ausschlafen, ein ausgedehntes Mittagsschläfchen halten und abends um spätestens 21 Uhr ins Bett gehen. Geht aber nicht. Morgens muss ich aufstehen, mittags muss ich arbeiten und abends wartet der Haushalt auf mich. Und zwischendrin hält mich mein munterer Eineinhalbjähriger auf Trab, der Mittagsschlaf für überflüssig hält und für den "Durchschlafen" nach wie vor ein Fremdwort ist.
Neulich habe ich Daniel zum wahrscheinlich 150. Mal seine Lieblingsgeschichte von "Bobo Siebenschläfer" vorgelesen, der am Ende jeder Episode einschläft (ohne Gebrüll und in jeder Lebenslage - so ein braves Kind!). Naja, mir sind dieses Mal schon weit vor dem Ende der Geschichte einfach die Augen zugefallen. Zum Glück saß ich wenigstens gemütlich auf dem Sofa, sonst wäre ich wahrscheinlich im Stehen eingeschlafen. Daniel fand das gar nicht witzig: "Mama nicht lafen, Bobo soll lafen!" Ich hoffe jetzt mal, dass diese Schwangerschaftsmüdigkeit bald verschwindet und Bobo dann wieder zuverlässig vor mir einschläft!


Verzichten will gelernt sein

Ich gebe es zu: Ich trinke leidenschaftlich gerne Wein, liebe erfrischende Cocktails und finde, ein kühles Radler ist im Sommer der beste Durstlöscher. Ich trinke das natürlich nicht in rauen Mengen und auch nicht alles täglich, aber halt einfach gerne (irgendwann braucht man ja auch mal eine Abwechslung  zu Apfelschorle & Co.). Und wenn ich nachmittags nicht einen ordentlichen Kaffee bekomme, dann überlebe ich den täglichen Besuch auf dem Spielplatz nicht - von wegen, auf der Bank sitzen und gemütlich ein Buch lesen oder gar ausgiebig mit anderen Müttern ratschen! Mein Nachmittagsprogramm besteht zurzeit aus Dauer-Schaukel-Anschubsen, Extrem-Sandkuchen-Backen und Schwergewicht-Kind-auf-die-Rutsche-Hieven. Wie gesagt, da helfen heißer Kaffee und coole Caipirinha (zumindest als Belohnung am Abend) schon enorm… Aber das ist jetzt natürlich erst mal alles tabu, kein Wein, kein Bier, kein Cocktail mehr, und Kaffee nur mit der sprichwörtlichen Extraportion Milch - da gibt es keine Diskussion. Und, wie ich nach dem ersten Kind nicht vergessen habe, das Ganze nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch noch danach, während der Nachwuchs gestillt wird. Aber ein kleines Hintertürchen für die flüssigen Geschmacksträger und mich gibt es noch: Fruchtige Cocktails schmecken auch ohne Alkohol, und Radler kann man auch mit eiskaltem alkoholfreien Bier trinken. Nur Wein ohne Alkohol, das wusste ich schon nach dem ersten Schluck im Selbstversuch, das geht definitiv gar nicht. Ist für die nächsten Monate halt einfach von der Getränkekarte gestrichen, Verzichten will schließlich gelernt sein.


Pränataldiagnostik-die Gewissensfrage

Und wieder stehen wir vor der Frage nach der Pränataldiagnostik. Mit ernstem Gesicht hat die Frauenärztin uns über die verschiedenen Möglichkeiten aufgeklärt (natürlich aus eigener Tasche zu bezahlen): Triple-Test, Chorionzottenbiopsie oder gar Fruchtwasseruntersuchung? Bei Daniel haben wir aus Überzeugung gar nichts testen lassen, aber jetzt sind wir ja zwei Jahre älter… Außerdem kenne ich aus unserer Krabbelgruppe zwei Mütter, die Kinder mit Down-Syndrom haben. In der Schwangerschaft ahnten sie beide nichts davon und von den Herausforderungen, die ein solches Kind an sie stellen wird. Und heute führen sie ein weitgehend normales Leben und freuen sich wie alle anderen Eltern über jeden Fortschritt ihrer Sprösslinge.Wie am Anfang der ersten Schwangerschaft überlegen wir auch dieses Mal wieder: Was würde es ändern, wenn wir wüssten, dass unser Kind nicht gesund auf die Welt kommen würde? Wir könnten uns dann zwar auf das Leben damit einstellen, aber ein Schwangerschaftsabbruch käme so oder so niemals in Frage. Also ersparen wir uns diese ganze Testerei (und das Geld!) und freuen uns einfach nur auf unser zweites Kind!


Ich will ein Mädchen!

Hauptsache, das Baby ist gesund, ob Mädchen oder Junge ist doch erst einmal egal… Stimmt natürlich, aber trotzdem: Ich will ein Mädchen! Schon zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft habe ich von einem Mädchen geträumt. Meine Frauenärztin hat damals zwar bereits in der 14. Woche im Ultraschall eindeutig einen Jungen erkannt. Die Schrecksekunde darüber war aber wirklich sehr kurz, die Freude über dieses zappelnde Etwas in meinem Bauch hat eindeutig sofort überwogen. Aber jetzt, beim zweiten Versuch, hätte ich doch gerne mein Wunschmädchen. Nicht, damit das Geschwisterpaar (großer Bruder - kleine Schwester) perfekt ist. Ich glaube einfach, eher zu wissen, wie ein Mädchen tickt, was es fühlt und braucht. Außerdem kann man Mädchen ja sooo hübsch anziehen, und dann die hoffentlich süßen Locken. Stopp - da wäre ein Bub vielleicht doch besser. Da ich selbst noch nie lange Haare hatte, weiß ich ja gar nicht, wie man einen anständigen Zopf flicht. Also vielleicht doch lieber ein Junge???


Schlecht oder nicht schlecht?

Zum Glück ist mir morgens nicht schlecht. Mit Übelkeit hatte ich schon in der ersten Schwangerschaft nicht zu kämpfen, und ich bin heilfroh, dass mir das auch jetzt erspart bleibt. Ich muss nämlich in fünf Sekunden von 0 auf 100 sein, und das fast jeden Tag um spätestens 6 Uhr. Denn entweder fängt Daniel dann selbstständig an, die Spülmaschine auszuräumen und bringt mir freundlicherweise die große Salatschüssel direkt ans Bett: "Mama, aufräumen". Oder er steht plötzlich bei uns im Schlafzimmer, die Fußballtröte im Mund, die sein Opa ihm netterweise geschenkt hat, und sagt: "Gleich laut". Für Schwangerschafts-Übelkeit bleibt in solchen Situationen definitiv keine Zeit. Schlecht wird mir eigentlich nur, wenn ich zu lange, also so zwei Stunden oder länger, nichts gegessen habe. Dann verlangt mein neuer Mitbewohner nach Futter, egal was. Müssen keine sauren Gurken mit Nutella sein, nur viel: Doppelte Portion Risotto, eine Riesen-Pizza oder am besten gleich ein halbes Schwein. Aber damit kann ich leben, Heißhunger ist allemal besser als Übelkeit!


Erste Vergleiche

Der erste Besuch bei der Frauenärztin verlief reichlich unspektakulär. Sie hatte zwar einige Mühe, den Geburtstermin zu bestimmen (rein rechnerisch hätte ich eigentlich gar nicht schwanger werden können), ansonsten war aber alles in Ordnung - halt ein Pünktchen auf dem Ultraschallbild, aber schon mit Herzschlag! Zu Hause angekommen, holte ich sofort Daniels Fotoalbum aus dem Regal. Da habe ich nämlich seine Ultraschallbilder eingeklebt, und die musste ich jetzt doch mal anschauen. Das neue Foto legte ich daneben und ertappte mich prompt dabei, wie ich die Bilder miteinander verglich. Stopp, das führt zu weit, mein armes Baby. Noch nicht mal auf der Welt, und muss sich schon an seinem großen Bruder messen lassen! Ich gelobe innerlich Besserung, schließlich gibt es nichts Schlimmeres, als ständig mit seinen älteren Geschwistern verglichen zu werden. War jedenfalls immer die Meinung meiner kleinen Schwester.


Unverhofft kommt oft!

Mit gemischten Gefühlen betrachten Christian und ich den Schwangerschaftstest, der vor uns liegt. Positiv! Und fangen erst mal an zu rechnen. Wenn das Baby auf die Welt kommt, wird Daniel gerade mal zwei Jahre und zwei Monate alt sein. Natürlich wollten wir ein zweites Kind, aber dass das jetzt so schnell gehen musste… Daniel schläft ja noch nicht einmal annähernd durch, weicht keinen Schritt von meiner Seite und bekommt täglich vier halbstündige Wutanfälle. Wie soll in so ein Leben noch ein Baby reinpassen? Vielleicht hätten wir doch lieber noch ein bisschen warten sollen? Andererseits ist es natürlich ein wunderbarer Gedanke, noch einmal für so ein kleines, hilfloses Wesen da sein zu dürfen, diese winzigen Klamotten aussuchen und sich auf das erste Lächeln freuen zu dürfen… Und zwei Jahre sollen ja der ideale Altersabstand für Geschwister sein! Na ja, unverhofft kommt eben doch oft, und eigentlich ist es am Ende doch immer gut so, wie es kommt. Warten wir es also einfach ab.


Hallo!

Grüß Gott, ich heiße Daniel Stadtmüller, bin eineinhalb Jahre alt und soll bald großer Bruder werden. Meine Mama Nicole (31) hat ein winzig kleines Baby im Bauch, von dem ich leider aber noch gar nichts sehen kann. Und spielen kann ich auch noch nicht mit ihm. Obwohl, meine neue Feuerwehr darf es sowieso nicht haben. Mein Papa Christian (31) und ich passen jetzt jedenfalls ganz gut auf die Mama auf und freuen uns schon ganz arg auf mein Geschwisterchen.


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