Schwangerschaft (Jana M.)
Der kleine Sam wird groß ...
Mit seinen 11 Wochen ist unser Sohn schon ein Großer unter den Babies. Er wiegt jetzt mehr als fünf Kilo, ist fast 60 cm lang und hat richtig Gesicht und Figur bekommen. Die Klamöttchen, von denen ich anfangs glaubte, dass er darin regelrecht "ertrinkt", sind mittlerweile längst aussortiert. Und der Stubenwagen steht nun auch schon im Keller, weil es ihm darin zu eng geworden ist. Dafür hat er jetzt ein wunderbares großes Bett mit einer Super-Matratze, riesigem Himmel und allem nur denkbaren Zipp und Zapp. Klar doch, von Paidi! Für unseren Kronprinzen nur das Beste! Tja, wenn man das erste halbe Jahr Revue passieren lässt, kommt so viel zusammen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Deshalb am besten nur ein paar kleinere Anmerkungen: Little big Sam kuschelt gern stundenlang mit seinem Vater, lächelt oft und ist nie wacher als nachts zwischen zwei und vier. Besonders viel rasselndes oder quietschendes Spielzeug hat er noch nicht, dafür aber eine Herde Kuscheltiere, die er manchmal schon selbst in den Arm nimmt, wenn er auf der Krabbeldecke liegt - auch "karibische Ecke" genannt, weil sie sich direkt neben der Heizung und unter einer großen Palme befindet. Der kleine Mann gibt mittlerweile richtige Laute von sich, jauchzt manchmal richtig vor Freude und hält sein Köpfchen schon gut selbst, wenn er Richtung Schulter geschwungen und herumgetragen wird. Bloß nichts verpassen, scheint er dann zu denken - und weiß gar nicht, wo er zuerst hingucken soll (Kristallsammlung, Küchenregal und Jalousien sind als Anschauungsobjekte übrigens längst passé). Es ist einfach faszinierend, das mitzuerleben. Ein richtiges Wunder!Unser Sam ist immer noch ein besonders friedliches Kind, das kann man wohl sagen. Aber die schlimmer gewordenen Verdauungsprobleme (ganz besonders nachts) bringen ihn dann doch nach dem Essen zum Schreien, weil man ihm trotz Tee und Tragen nicht helfen kann. Die pharmazeutische Industrie ebenso wenig, leider. Die ersten beiden Impfungen hat er tapfer überstanden, wobei er danach allerdings tagelang nicht essen wollte - bis unsere Lieblingshebamme Katrin herbeieilte und ihm ein paar kleine Kügelchen als Appetitanreger unter die Zunge schob. Mal wieder die Retterin in der Not.Magische Momente erlebten wir übrigens vor wenigen Tagen bei einem Ostheopaten. Dorthin waren wir, die späten Eltern, auf Anraten unserer Hebamme gedüst, weil Sammys Kopf auf einer Seite etwas flacher ist als auf der anderen. "Der hilft Euch ganz bestimmt, fahrt da mal hin!", sagte sie. Mit seinen energetischen Händen spürte der Ostheopat beim Kind Verkrampfungen, Torsionen und manches mehr auf, um es dann zurecht zu rücken. Vater und Mutter schauten gespannt zu, hörten sich viele Erläuterungen an und hofften, dass dem Kleinen geholfen werde. Staunend standen wir daneben. Allein: Als der Heilpraktiker abschließend mit einer Hand über dem Körper unseres Kindes kreiste und mit der anderen über eine Sammlung von Bachblüten-Fläschchen fuhr, mussten wir uns doch ganz schön zusammen nehmen. Denn er sagte: "Der Star of Bethlehem ist genau das Richtige für Ihr Kind." Ja, wirklich? Was wäre denn, wenn er Tim heißen würde? Bekäme er dann Struppi-Tropfen verdünnt auf die Zunge??? Das war schon mittelschwer komisch. Gleichwohl fahren wir demnächst wieder hin, denn warum nicht auch alternative Methoden ausprobieren?Nun gut: Die ersten drei Monate sind im Rückblick an uns vorbei gerast. Jedenfalls fühlt es sich so an. Wir erleben viel Spannendes miteinander, entdecken die Welt alle drei ganz neu und sind zu einer richtigen Familie zusammen gewachsen. Ein wunderbares Gefühl. Technorati Profile 1 Kommentar
Dr. Harvey Karp hat Recht
"Das glücklichste Baby der Welt" ist ein Buch betitelt, das ich in der Zeit des runden Bauches immer mal wieder gelesen habe. Eine Bekannte, selbst gerade Mutter eines dritten Kindes geworden - eine bildhübsche kleine Tochter - hatte es mir vor Monaten ans Herz gelegt. "Das muss man gelesen haben", sagte sie. Was ich dann ja auch tat. Aber nur bis zur Hälfte, dann griff ich wieder zur Belletristik, aus Angst, für die kommenden 10 bis 20 Jahre keine Zeit mehr dafür zu haben. Großer Fehler, denn von dem, was ich gelesen habe, kann ich sagen: Dr. Harvey Karp hat Recht. Aber ich weiß nur die Hälfte darüber, was ich tun kann. Für uns bedeutet das: Frühchen sind bis zum errechneten Geburtstermin recht ruhig. Wahre Goldstückchen, die nur trinken und schlafen. Kein Gemurre, kein Geschrei. Alles ruhig. Aber, wenn es dann so weit ist bzw. wäre, geht's los mit den normalen Dingen des Baby-Lebens. Also, klar ausgedrückt, nachts regelmäßig high life wegen Bauchkrämpfen mit lang anhaltenden Weinphasen. Dabei ist das Weinen lautstärketechnisch kein Problem, sondern die Tatsache, dass sich das Würmchen quält und ich ihm nicht wirklich helfen kann. Nicht mit Rumtragen, nicht mit Fliegergriff, nicht mit Baden, nicht mit Kümmel-Zäpfchen und auch nicht mit dem Thermometer-Trick. Das ist wirklich grausam! Weil man sich vollkommen hilflos, um nicht zu sagen gänzlich unzureichend als Mutter fühlt.
Dr. Harvey Karp hat für die high-life-Momente nicht nur die passenden Erklärungen, sondern auch jede Menge Tipps . . . Wie gesagt, ich kenne nur die Hälfte. Nicht so mein Liebster. Er hat mehr gelesen und ist echt locker drauf. Das macht mich total neidisch. Liegen beispielsweise meine beiden Männer morgens im Bett nebeneinander, atmen sie im Gleichtakt und prusten vor sich hin. Macht der Papa Sport mit dem Kind, ist keine Verrenkung zu anstrengend und es wird nicht geschrien, höchstens komisch geguckt. Am besten finde ich aber das abendliche Beruhigungs- und Einschlafritual, irgendwann gegen 23 Uhr. Dann greift sich der Papa den frisch gewickelten Sohn und hält ihm wahlweise Vorträge über "Unsere Kristallsammlung" (die wir nicht haben, sondern nur normale Gläser, davon jedoch Mengen), die teuren Jalousien aus Italien (jede Lamelle wird einzeln vorgestellt) oder das neue Regal in der Küche samt Inhalten. Sam lauscht ihm gerne, immer wieder aufs Neue - und schläft rasch ein (aus Notwehr, denke ich manchmal). Der Papa kann darüber nur müde lächeln. Der Erfolg gibt ihm Recht. Respekt!
Vom Wachsen und Gedeihen
Als ich schwanger war, geisterte mir neben tausend Wünschen nach einem gesunden Kind vor allem der durch den Kopf: Ein properes Baby sollte es sein. "Dann hat er was zuzusetzen, wenn’s drauf ankommt. Und überhaupt sehen runde Babys niedlich aus", hörte ich mich immer mal wieder anmerken.
Dass dann alles ganz anders kam, war ja fast zu erwarten. Sam stürmte zu früh auf die Welt und war trotz seiner zweieinhalb Kilo sehr dünn. Das wirkte in meinen Augen doppelt schlimm, als er diese Kanülen und Schläuche in Nase, Händen und Füßen hatte. Mein Kind wirkte so zerbrechlich und ich dachte, daran würde sich vorläufig auch nichts ändern.
Nun ist er einige Wochen alt und ich glaube, er hat schon leicht zugenommen. Nach Ansicht von Vater und Hebamme ist es sogar eher viel. Ich hörte sie schon hinter vorgehaltener Hand vom "Buddha-Baby" sprechen (ich bin ja noch im Stadium der Wochenbett-Depression und muss daher mit Doppel-Samt-Handschuhen angefasst werden).
Little Sam dick? Das kann ich ja nun gar nicht finden! Wenngleich ich mich bei genauerem Hinsehen dazu bereit erklären könnte zuzugeben, dass sich seine Wangen mehr und mehr nach außen wölben. Und an das zweite Kinn, das er definitiv von mir geerbt hat, hängt sich langsam ein drittes. Aber deshalb schon von einem Mini-Buddha zu sprechen, finde ich gänzlich verfehlt. Das Kind soll schließlich wachsen und gedeihen, damit wir bald mit ihm spielen und tollen können.
Bernhard und ich brauchen nämlich dringend Bewegung, weil wir beide ein paar Kilos zuviel auf den Rippen haben. Ich vom ungebremsten Schokoladen-, Fleischsalat- und Pasta-Verzehr in der Schwangerschaft, er vom mitleidigen Mitmachen. Dieser Speck muss wieder weg! Mal sehen, ob Samuel uns dabei behilflich ist. Wir bauen da ganz fest auf ihn. Den guten Willen zum Leichterwerden bringen wir jedenfalls mit. Jetzt muss unser Kind nur noch Verantwortung für seine Eltern übernehmen und sie auf Trab bringen . . .
Dass dann alles ganz anders kam, war ja fast zu erwarten. Sam stürmte zu früh auf die Welt und war trotz seiner zweieinhalb Kilo sehr dünn. Das wirkte in meinen Augen doppelt schlimm, als er diese Kanülen und Schläuche in Nase, Händen und Füßen hatte. Mein Kind wirkte so zerbrechlich und ich dachte, daran würde sich vorläufig auch nichts ändern.
Nun ist er einige Wochen alt und ich glaube, er hat schon leicht zugenommen. Nach Ansicht von Vater und Hebamme ist es sogar eher viel. Ich hörte sie schon hinter vorgehaltener Hand vom "Buddha-Baby" sprechen (ich bin ja noch im Stadium der Wochenbett-Depression und muss daher mit Doppel-Samt-Handschuhen angefasst werden).
Little Sam dick? Das kann ich ja nun gar nicht finden! Wenngleich ich mich bei genauerem Hinsehen dazu bereit erklären könnte zuzugeben, dass sich seine Wangen mehr und mehr nach außen wölben. Und an das zweite Kinn, das er definitiv von mir geerbt hat, hängt sich langsam ein drittes. Aber deshalb schon von einem Mini-Buddha zu sprechen, finde ich gänzlich verfehlt. Das Kind soll schließlich wachsen und gedeihen, damit wir bald mit ihm spielen und tollen können.
Bernhard und ich brauchen nämlich dringend Bewegung, weil wir beide ein paar Kilos zuviel auf den Rippen haben. Ich vom ungebremsten Schokoladen-, Fleischsalat- und Pasta-Verzehr in der Schwangerschaft, er vom mitleidigen Mitmachen. Dieser Speck muss wieder weg! Mal sehen, ob Samuel uns dabei behilflich ist. Wir bauen da ganz fest auf ihn. Den guten Willen zum Leichterwerden bringen wir jedenfalls mit. Jetzt muss unser Kind nur noch Verantwortung für seine Eltern übernehmen und sie auf Trab bringen . . .
Schöne Grüße von der Bürokratie
"Ach nein, dann habt Ihr also doch noch schnell geheiratet? Naja, ist auch besser so. Dann hat alles seine Ordnung und das Kind weiß, wo es hingehört." So oder auch in ähnlicher Weise wurden wir beschieden, als wir die Geburt unseres Kindes in Wort und Bild verschickten. Der Grund: Samuel hat nicht nur als Zweitnamen den seines Vaters bekommen (und obendrein Jakob als dritten, weil wir ihn so schön fanden), sondern auch dessen Nachnamen. Meinen konnte und wollte ich partout nicht weitergeben, weil er schlichtweg inakzeptabel ist, wie ich finde. Den Nachnamen des Vaters eintragen zu lassen, ist heutzutage möglich, ohne dass man einen Trauschein vorweisen muss. Finden wir gut und richtig - und haben die Gelegenheit deshalb beim Schopfe gepackt. Aber bis wir die ersehnten Formulare in der Hand hatten, dauerte es Wochen. Hier mal eine Stunde aufs Amt, da mal diverse Telefonate, dort mal Unterlagen zusammen suchen, damit man sich auch wirklich und wahrhaftig als der ausweisen kann, der man ist, und dann noch ein paar Gebühren zahlen (denn was umsonst ist, ist ja nichts wert, habe ich mal irgendwo gehört).
So weit, so gut. Die deutsche Bürokratie halt. Eine Merkwürdigkeit gibt es aber doch, und ich weiß nicht, unter welcher Rubrik ich sie einordnen soll. Denn: Von unserem Wunsch, das gemeinsame Sorgerecht zu bekommen - das hat zunächst einmal nur die Mutter, wie ich herausfand, Namensgebung hin oder her - wurde wiederholt abgeraten. Genau genommen, mir persönlich, von zwei Mitarbeiterinnen in zwei verschiedenen Ämtern. Beide wiesen mich eindringlich darauf hin, dass ich mir diesen Schritt GANZ GENAU überlegen solle, bevor ich dem Vater das Sorgerecht zur Hälfte überlasse. Der Grund: Ab da gehe alles nur noch mit seiner Zustimmung, egal, was es sei. Immer und überall müsse er gefragt werden und einverstanden sein. So lange man sich liebe und gut verstehe, sei das ja in Ordnung. Aber was, wenn man sich dann doch eines Tages trenne? Das passiere doch heutzutage mehr als häufig. Dann stehe man als Frau da, allein mit dem Kind, und müsse bei all dem Kummer und der Belastung den Vater in alles einbeziehen. Kein schönes Bild von der Zukunft, das mir da vorgezeichnet wurde. Wohl aber eines, das die Realität in manchen Amtsstuben wiedergibt. Dessen bin ich mit bewusst. Leider.
Nun gut: Ich weiß es sehr zu schätzen, dass die Frauen die Offenheit besaßen, mir zu sagen, was kommen könnte. Aber ich weiß auch, dass Bernhard und ich uns gemeinsam für das Kind entschieden haben - und deshalb auch das gemeinsame Sorgerecht haben möchten. Auf jeden Fall! Etwas anderes kommt nicht für uns in Frage.
So weit, so gut. Die deutsche Bürokratie halt. Eine Merkwürdigkeit gibt es aber doch, und ich weiß nicht, unter welcher Rubrik ich sie einordnen soll. Denn: Von unserem Wunsch, das gemeinsame Sorgerecht zu bekommen - das hat zunächst einmal nur die Mutter, wie ich herausfand, Namensgebung hin oder her - wurde wiederholt abgeraten. Genau genommen, mir persönlich, von zwei Mitarbeiterinnen in zwei verschiedenen Ämtern. Beide wiesen mich eindringlich darauf hin, dass ich mir diesen Schritt GANZ GENAU überlegen solle, bevor ich dem Vater das Sorgerecht zur Hälfte überlasse. Der Grund: Ab da gehe alles nur noch mit seiner Zustimmung, egal, was es sei. Immer und überall müsse er gefragt werden und einverstanden sein. So lange man sich liebe und gut verstehe, sei das ja in Ordnung. Aber was, wenn man sich dann doch eines Tages trenne? Das passiere doch heutzutage mehr als häufig. Dann stehe man als Frau da, allein mit dem Kind, und müsse bei all dem Kummer und der Belastung den Vater in alles einbeziehen. Kein schönes Bild von der Zukunft, das mir da vorgezeichnet wurde. Wohl aber eines, das die Realität in manchen Amtsstuben wiedergibt. Dessen bin ich mit bewusst. Leider.
Nun gut: Ich weiß es sehr zu schätzen, dass die Frauen die Offenheit besaßen, mir zu sagen, was kommen könnte. Aber ich weiß auch, dass Bernhard und ich uns gemeinsam für das Kind entschieden haben - und deshalb auch das gemeinsame Sorgerecht haben möchten. Auf jeden Fall! Etwas anderes kommt nicht für uns in Frage.
Auf der Welt angekommen . . .
Unser Little Big Man ist jetzt fast vier Wochen alt. Wie die Zeit rast! Es ist geradezu phänomenal mitzuerleben, welche Entwicklungssprünge Sam seit seiner Geburt schon gemacht hat: Er hat seine wunderhübschen dunkelblauen Augen jetzt viel öfter und länger auf, hebt das Köpfchen allein, dreht sich beim Wickeln locker auf die Seite, fasst die Flasche manchmal richtig fest mit beiden Händchen an und klebt den Schnuller fester an seine Zunge als irgendein Superleim es jemals könnte. In puncto Musik hat er überdies gewisse Präferenzen entwickelt. Mit Papa gern und oft Bob Marley hören oder auch mal afrikanische Chills, hingegen bei den ersten Klängen der Lala-Babymusik, die Mama zwecks Entspannung in größeren Mengen geshoppt hat, entsetzt zu schreien anfangen und nach endlichem Ausschalten des CD-Players relaxt einschlafen. Samuel ist "auf der Welt angekommen", wie meine Hebamme es so treffend ausdrückt. Tja, während die Lernkurve unseres Sprösslings täglich steigt, nimmt die der Mutter offenbar ab. Will Bernhard mir beispielsweise erklären, wo ich am besten spazieren gehen kann mit dem Kind, winke ich schnell ab, weil ich mich außer Stande sehe, die Karte der umliegenden Landschaft zu lesen - und zu verstehen. Vertraute Computer-Programme, etwa zur Bildbearbeitung, scheinen mir plötzlich fremd, was zur Folge hat, dass auf der Digicam mittlerweile hunderte von Fotos mit Sam vor sich "hinschlafen", anstatt längst auf CD gebrannt, entwickelt und in ein Album eingeklebt zu sein. Und gelesen wird auch nicht mehr wirklich - weder die FAZ, die bislang ganz selbstverständlich zu meinem Tagesbeginn gehörte, noch irgendein Buch. Stattdessen gibt es fast nur noch Zeitschriften, in denen sich alles um Kinder dreht, oder kurz gefasste Fachliteratur über Babymassage, Einschlafhilfen, geeignetes Spielzeug und neueste Antikolik-Sauger. Verkraftbar sind jetzt offenbar nur noch überschaubare Dinge, wenn ich das richtig einordne.
Da fällt mir eine Unterhaltung ein, die wir vor Monaten auf einer Hochzeit von Bekannten führten. Ein Vater zweier kleiner Söhne meinte zu uns: "Eigentlich gibt es in den ersten Monaten nur drei Dinge, weshalb ein Baby schreit: Es hat Hunger, braucht eine neue Windel oder ist einfach müde. Wie gesagt, drei Dinge, das ist nicht viel. Aber eines davon vergisst man immer, egal, wie oft man auch versucht, an alles zu denken." Soviel also zum Thema nicht mehr bis drei zählen können . . .
Was wohl aus Dir einmal wird?
Langsam grooven wir uns ein. Manche Dinge werden, wenn man sie das hundertste Mal erledigt hat, vertrauter. Das Gute daran: Ich habe jetzt mehr Zeit, mein Kind bewundernd anzustarren und es mit Fragen à la "Wer ist das süßeste Baby der Welt?", "Wen haben wir am allerliebsten?", "Wem werde ich alles erlauben?" oder "Wer ist so zauberhaft, dass Mami pausenlos weinen könnte vor Glück?" zu bombardieren. Armes Kind, ist gerade frisch auf der Welt und kann sich gegen solche mütterlichen Liebes-Attacken nicht wehren. Besonders armes Kind jedoch, wenn die Eltern morgens am Frühstückstisch schon Riesen-Pläne für seine Zukunft schmieden.
Sie: "Schau doch mal, wie er die Hände hält! Wie ein großer Denker! Ob er mal ein Philosoph wird? Oder ein Literat? Ich sehe es vor mir, wie er einen Nobelpreis oder aber den Pulitzer bekommt. Gott, ich platze schon jetzt vor Stolz!"
Er: "Erst einmal muss er Fußball spielen lernen und sich mit Autos gut auskennen. Das ist viel wichtiger. Vielleicht wird er ja Rennfahrer, wer weiß das schon?"
Sie: "Der Himmel bewahre! Das kommt niemals in Frage. Niemals!!!"
Er: "Designer sollte er werden, so wie ich."
Sie: "Ah, ah, ah - schau, wie er jetzt guckt, mit seinem Mützchen so süß und die Hände so schön gefaltet, ein echter Feingeist! Vielleicht wird er ja eines Tages sogar Papst. Who knows?
Er: "Ja okay, dann wird er eben Design-Papst! Das fänd ich cool, dann wären wir zwei Designer in der Familie und ich könnte sagen, das hat er alles von mir gelernt . . ."
Eine ganz neue Realität...
Mehr als ein, zwei Stunden Schlaf am Stück? Ein Traum. Entspanntes Wochenbett mit stundenlangem Kuscheln und nichts zu erledigen? Definitiv nein. Mehrfach am Tag merkwürdige Ansichten haben und dramatisch in Tränen ausbrechen? Ja, das trifft zu.
So sieht sie also aus, die Mama-Realität, in der ich mich jetzt seit einer guten Woche bewege. Kommt mir vor wie ein Hindernis-Parcours, den man zunächst durchqueren muss, um in der neuen Familien-Welt anzukommen. Während meine Hebamme Katrin, die uns zur Zeit täglich besucht, jegliche Ängste, Zweifel oder Bedenken stets mit einem Lächeln und tausend Kilo Zuversicht zur Seite schiebt, bin ich noch richtig unsicher. Fast so, als wäre ich selbst ein Kind. Und das ist, für eine fast Vierzigjährige wie mich, derart nervenzehrend, dass ich glatt eine Wochenbettdepression entwickeln würde - wenn ich sie nicht schon hätte. Irgendwie.
Eher locker und gelassen nehmen’s dagegen meine beiden Männer. Sie sind seit dem ersten Tag ein echtes "dream team" und kommen perfekt miteinander klar. Wenn Papa füttert, ist die Flasche danach immer leerer als bei Mama. Wenn Papa den Kleinen wickelt, wird höchstens vor Begeisterung im Kinderzimmer gequiekt. Und wenn Sam morgens satt und selig dicht bei Papa liegt und dessen Herzschlag lauscht, ist das Leben noch mal so schön. Das mitzuerleben finde ich einfach wunderbar!
So sieht sie also aus, die Mama-Realität, in der ich mich jetzt seit einer guten Woche bewege. Kommt mir vor wie ein Hindernis-Parcours, den man zunächst durchqueren muss, um in der neuen Familien-Welt anzukommen. Während meine Hebamme Katrin, die uns zur Zeit täglich besucht, jegliche Ängste, Zweifel oder Bedenken stets mit einem Lächeln und tausend Kilo Zuversicht zur Seite schiebt, bin ich noch richtig unsicher. Fast so, als wäre ich selbst ein Kind. Und das ist, für eine fast Vierzigjährige wie mich, derart nervenzehrend, dass ich glatt eine Wochenbettdepression entwickeln würde - wenn ich sie nicht schon hätte. Irgendwie.
Eher locker und gelassen nehmen’s dagegen meine beiden Männer. Sie sind seit dem ersten Tag ein echtes "dream team" und kommen perfekt miteinander klar. Wenn Papa füttert, ist die Flasche danach immer leerer als bei Mama. Wenn Papa den Kleinen wickelt, wird höchstens vor Begeisterung im Kinderzimmer gequiekt. Und wenn Sam morgens satt und selig dicht bei Papa liegt und dessen Herzschlag lauscht, ist das Leben noch mal so schön. Das mitzuerleben finde ich einfach wunderbar!
Unser Sohn ist da!
Knopfaugen, goldblonde Haare, Stupsnase, lange Finger, große Füße - und das schönste Lächeln, das man sich nur denken kann: Unser Samuel. Nie zuvor habe ich ein bezaubernderes Wesen gesehen oder gar in den Armen gehabt. Und nie zuvor habe ich jemanden so geliebt wie ihn...Ja, das klingt alles sehr verklärt. Aber genau so ist es, das überwältigende Gefühl, ein Kind bekommen zu haben. Ob nun Mutter oder Vater: Es gibt keine passenden Worte für das, was mit einem passiert, wenn man sein eigenes Baby in den Armen halten kann.
Vier Wochen kam unser Sohn zu früh. Im Uniklinikum Frankfurt/Main, morgens kurz vor halb sieben.
Per Not-Kaiserschnitt wurde er auf die Welt geholt, weil wir beide eine heftige Infektion hatten und jede Minute zählte. Das hatten wir uns so natürlich nicht vorgestellt. Schon gar nicht, dass Samuel danach auf die Intensivstation kommt und ich erst einmal ans Bett gefesselt bin und nicht zu ihm kann. Tagelang wurden wir beide voll gepumpt mit Antibiotika - ich in der Frauenklinik, er dann in der Kinderklinik, ganz woanders auf dem Gelände.
Es war eine schwere Zeit, das muss ich offen sagen. Zwischen Hoffen und Bangen um das Wohl des eigenen Babys gab es tägliche Begegnungen mit Kindern, die schwer(st) krank sind und mit zahllosen Schläuchen an fiepsende, oft genug Alarm schlagende Monitore angeschlossen sind. Das mitzuerleben, hat mich sehr traurig gemacht. Gleichzeitig empfinde ich seit dieser Zeit den allergrößten Respekt vor Schwestern und Ärzten, die tags wie nachts ihr Bestes geben für diese Kids. Das gilt auch für unseren Sam, den wir dann - oh Freude - doch schon nach einer Woche mit nach Hause nehmen konnten!
Die Kunst des Zusammenziehens (32. SSW)
Was ich mir bisher so gern ausgemalt habe, wird jetzt real. Bernhard und ich ziehen zusammen. Natürlich genau zur falschen Zeit, weil man sich ja als Schwangere nach Möglichkeit nicht anstrengen, nicht aufregen und so weiter nicht soll. Doch die werdende Mutter möchte ich sehen, die diesem hehren Anspruch jederzeit gerecht zu werden vermag!Wie auch immer, die Kunst unseres Zusammenzugs besteht nicht unbedingt in dem fachgerechten Transport unseres Hab und Guts von A nach B, sondern in der konsequenten Reduktion des Ganzen. Und das ist wirklich ein K(r)ampf, denn bislang haben wir jeder für uns in (sehr) großen Wohnungen gelebt. Mit entsprechenden Ansammlungen von Möbeln, Küchengeräten, Pflanzen und Büchern und tonnenweise Kleidung.Jetzt haben wir 65 Quadratmeter zusammen. Abzüglich Kinderzimmer. Da wird mir immer mal wieder anders, wenn ich ehrlich sein soll. Und ich laufe mit tausend Fragezeichen durch die Gegend, weil ich partout nicht weiß, wie wir zwei komplette Hausstände hier unterbringen sollen. Das ist Anstrengung pur, auch ohne Schleppereien! Entsprechend blank liegen meine Nerven und mindestens ein Mal am Tag quengele ich vor mich hin und werfe Bernhard vor, wie ungerecht ich es finde, dass seine Sachen zumeist schöner sind als meine und sie deshalb das Gros unserer jetzt gemeinsamen Einrichtung ausmachten. Das ist weder berechtigt noch verstandesgemäß nachvollziehbar - und doch gibt es regelmäßig das gleiche hormonelle Nörgel-Gestöber. Mein Schatz tut mir echt total leid - wenn ich mir nicht gerade selbst leid tue. Ist das normal? Zur Sicherheit habe ich aber mal einige andere Leute gefragt. Und was habe ich da fast wortgleich zu hören bekommen? "Schwangere Frauen ticken einfach ganz anders. Sie haben immer Recht, egal, worum es geht. Das sind nun mal die Hormone. Nach der Geburt kommt das wieder ins Lot - und der Mann hat wieder Recht. Bis zur nächsten Schwangerschaft." Alles ist jetzt irgendwie beschwerlicher (31. SSW)
Das Leben wird irgendwie beschwerlicher. Dabei bin ich doch erst im achten Monat! Ich hatte geglaubt, das würde noch etwas dauern. Schlaflose Nächte, mörderische Rückenschmerzen, wackelige Beine beim Aufstehen, Kurzatmigkeit, Sodbrennen, heftige Wassereinlagerungen (selbst in den Handgelenken!), Probleme beim Bücken, mangelnde Reserven für Spaziergänge oder auch nahezu regelmäßiges Bekleckern beim Essen wegen des zunehmenden Bauchumfangs. Um nur einige der physischen Nebenwirkungen zu benennen.Damit könnte ich ja recht gut klar kommen, wenn es nicht auch noch manch’ gedankliche Belastungen auszuhalten gäbe. Als da momentan sind: Das morgendliche, mittägliche und abendliche Gefühl totaler Hässlichkeit im Gesicht wegen mehrerer Kinns und Pausbacken, die manifeste Angst vor Dehnungsstreifen, Alpträume von Missbildungen und Kindesvertauschung sowie eine zunehmende Antipathie gegen die immer gleichen Schwangerschaftshosen. Das hinzunehmen finde ich rekordverdächtig. So gesehen bin ich langsam der Meinung, als Schwangere hätte man nach der Geburt des Kindes einen besonderen Preis der Anerkennung verdient. Zum Beispiel eine Putzfrau auf Lebenszeit oder einen persönlichen Babysitter mit 24-Stunden 7-Tage-pro-Woche 365-Tage-im-Jahr Einsatzbereitschaft bis zum 18. Lebensjahr des geliebten Würmchens oder acht Wochen Schönheitsfarm im Quartal. Irgendetwas in dieser Art fände ich angemessen. Ob Bernhard das eventuell auch so sehen könnte? Oder Männer überhaupt???
Ein neues Elementar-Teilchen (30. SSW)
Es gibt Dinge im Leben einer Frau, die sind einfach elementar: Der richtige Frisur, die richtige Gesichtsmaske, die richtigen Schuhe. Hauptsache: RICHTIG.Im Zustand fortgeschrittener Schwangerschaft kommt ein neues Elementar-Teilchen dazu - die richtige Hebamme. Was habe ich mir hierzu nicht wochenlang alles an-gehört und an-gelesen, um bloß keinen Fehlgriff zu tätigen. Es war schlimmer als die Wahl einer passenden Studienfach-Kombination! Doch als wäre das nicht genug, musste ich quasi auch noch aus der Ferne eine Wahl treffen, denn schon bald wohne ich ja nicht mehr in Dortmund. Nun, als hätte ich laut nach Hilfe gerufen, gab mir eine Bekannte von Bernhard - selbst Mutter zweier Söhne - unlängst einen Tipp. "Die Frau ist Gold wert, ich kam mit ihr sehr gut zurecht." "Nein, nein", antwortet sie auf meine bange Frage, ob diese Hebamme irgendwie esoterisch angehaucht sei oder in fremden Sphären schwebe, zu denen mir jeder freiwillige Zugang fehle. "Sie steht mit beiden Beinen fest im Leben, sie wird Dir bestimmt gefallen."Gehört, geglaubt. Und dann mal angerufen. Doch was ich da zu hören bekam, gefiel mir erst mal gar nicht. Zu spät dran, sei ich, auch wenn die Geburt noch Monate entfernt sei. Welche Art von Entbindung ich plane - doch wohl eine ganz natürliche, oder? Ein Kaiserschnitt sollte möglichst vermieden werden. Rückruf auf dem Handy? Bitte nicht, die Strahlen, die von dem Teil ausgehen, sind nicht gut fürs Baby . . .Ich gebe es offen zu, ich fühlte mich nicht wirklich gut und spielte für zwei, drei Tage mit dem Gedanken, jemand anderen anzurufen. Was ich dann aber nicht getan habe. Und jetzt, Wochen später, bin ich froh darum. Denn als wir uns kürzlich gegenüber saßen und näher kennen lernten, war mir die Hebamme sehr sympathisch. Entspannt und locker war sie und hat mir dadurch manche Ängste genommen. Einfach so. Einfach klasse!Was mir nun noch fehlt, sind ein guter Kinderarzt, eine gute Krabbelgruppe, ein guter Babysitter, ein guter Rückbildungs-Kurs, eine gute Kita - und manch andere Kleinigkeiten. Dahingehend schwebt mir übrigens manchmal eine kleine Frage durchs Hirn: Wie wäre es eigentlich, wenn man schon im Falle des positiven Schwangerschaftstests ein Rundum-Sorglos-Paket für zukünftige Eltern buchen könnte, um bloß nicht zu spät dran zu sein und seinem Kind noch vor der Geburt möglichst alle Chancen eröffnet zu haben?
Gibt es Babys wirklich zum Nulltarif? (29. SSW)
"Also, in den ersten Monaten braucht so ein Baby ja so gut wie nichts." Habe ich jetzt ungefähr eine Million Mal gehört. Und: "Wenn man stillt, spart man - praktisch ganz nebenbei - richtig Geld." Tja, auch wenn ich in beiderlei Hinsicht noch nicht zur Gilde der real-wissenden Mütter gehöre, melde ich doch gehörige Zweifel an.Ein Blick in unser Haushaltsbuch genügt, um unter der Rubrik "Baby" schon jetzt ganz große Augen zu bekommen: Strampler, Mützchen, Söckchen, Kuscheldecke, Puck-Sack, Vaporisator, Babykostwärmer, Maxi Cosi, Heizstrahler, Badewanne mit Gestell, Mullwindeln, Thermometer, Bürste, Beruhigungsnuckel, Nachtlicht und, und, und. Es gibt eine stetig wachsende Liste von Dingen, die nun einmal zur Grundausstattung gehören. Von Babyphon, Stillkissen, Bettwäsche und vielem mehr gar nicht zu reden! Das zahlt sich leider nicht von allein, weshalb ich mich jetzt häufiger dabei ertappe, übers Lottospielen oder unverhoffte Erbschaften nachzudenken. Oder auch alternative, kostenfreie Formen der Ernährung, zum Beispiel Sattwerden mit Fensterkitt und langsames Auslutschen von Waldfrüchten.Wie auch immer: Kaum je in meinem Leben, genau genommen: noch nie, habe ich so viel Freude gehabt beim Shoppen. Und das ist mir jeden Cent wert! Gottchen, wie oft habe ich jetzt schon in völliger Verzückung vor irgendwelchen Mini-Klamöttchen und Zwergen-Zubehör-Regalen gestanden, um in leichter Abwandlung der jahrelang antrainierten Formel "Brauche ich das wirklich?" zu fragen, ob wir dies und das und jenes nicht doch auch verwenden können. Wenn nicht früher, dann eben später. Hauptsache, wir haben es schon mal. Kann ja nicht schaden. Höchstens dem Konto. Dann wird halt so lange wie möglich gestillt. Die Bank wird es schon verstehen . . .
„Schönen Tag noch und viel Glück!“ (28. SSW)
Ja, ich gebe zu, der bloße Gedanke an eine natürliche Geburt treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Was habe ich nicht schon für Horror-Geschichten gehört - und dann nachts auch noch lebhaft davon geträumt, um es ja nicht sofort zu verdrängen. Aber gut, es ist wie es ist. "Per aspera ad astra", habe ich mal gelernt. Eben deshalb werde ich jetzt Haltung bewahren. Habe ich mir vorgenommen. Und eben deshalb ist ein "Hechelkurs" natürlich Ehrensache.Gedacht, getan. Um mich gleich richtig zu integrieren, buche ich einen Wochenend-Crashkurs in meinem bald-neuen Wohnort. Ist doch bestimmt eine gute Gelegenheit, schon einmal andere "Mitstreiterinnen" kennen zu lernen und gemeinschaftlich gegen die Geburts-Ängste anzuhecheln. Denke ich mir so. Aber nur bis vier Tage vor dem geplanten Termin. Da stellt sich heraus, dass alle Aufregung und Vorfreude ganz umsonst gewesen sind. Denn: Der Kurs fällt aus. Dass ich davon überhaupt im Vorfeld erfahre, und nicht erst am Samstag morgen, verdanke ich meiner weiblichen Intuition: Rufe einfach mal an, weil ich so gar nichts höre vom Veranstalter. Und welche Reaktion vernehme ich per Hörer? "Gut, dass Sie anrufen, dann brauche ich mich ja Ende der Woche nicht mehr bei Ihnen melden. Der Kurs findet nicht statt - wir haben zu wenig Interessenten. Vielleicht versuchen Sie es einmal anderswo." Ich bin schlichtweg perplex über so viel Service-Nichtbereitschaft. Selbige wird dann noch getoppt durch die Ergänzung: "Wenn Sie Pekip bei uns machen wollen, oder so etwas in der Art, sollten Sie sich am besten schon jetzt anmelden. Unsere Kurse sind immer übervoll, da ist es schwer, noch einen Platz zu ergattern. Schönen Tag noch und viel Glück !" Total geknickt, vor allem aber super-sauer tigere ich umher und jammere Bernhard etwas vor. Bis er das Wort DVD murmelt und vorschlägt, doch mal im Internet nach einem kleinen Scheibchen Ausschau zu halten. Mache ich glatt und werde auch fündig! Zwei Tage später ist das gute Teil da. Mit dem Effekt, dass der Kurs für mich nun doch wie geplant stattfinden kann. Zu einem Bruchteil des Preises, in zwei Mal eineinhalb Stunden, mit der Option zum Vor- oder Zurückspulen, Wiederholen oder auch Anhalten. Und Bernhard, der ja "never ever und auf gar keinen Fall überhaupt nie" so etwas mitmachen wollte, sitzt interessiert neben mir und staunt Bauklötze . . .
Kissenschlacht (25. SSW)
Und wieder ist eine Nacht vorüber, in der ich gerade einmal knappe drei Stunden am Stück geschlafen habe. Den Rest der tief dunklen Zeit habe ich mich dann von links nach rechts gedreht - und wieder zurück. Immer mit einem Auge auf dem Wecker, den Morgen herbeisehnend. So geht das jetzt schon seit Wochen. Von Besserung keine Spur, denn jede Nacht aufs Neue schmerzt der untere Rücken so sehr, dass ich manchmal ganz fest die Zähne zusammenbeißen muss, um das auszuhalten. Massagen, gerade in diesem Bereich, sind verboten, weil: wehenfördernd. Andere lindernde Möglichkeiten ebenso. Das Einzige, was da helfen könnte, wie ich in Gesprächen mit Schon-Müttern herausfand, sollen Kissen sein. Während meine Cousine Andy mit einem kleinen flachen bestens klar kam, wenn sie es sich unter den Bauch legte, riet mir die Frau von Bernhards Bruder zu einem Seitenschläferkissen. Wieder andere meinten, Keilkissen wären richtig toll. Nackenrollen aber irgendwie auch. Dankbar für jeden Tipp, habe ich natürlich jedes Mal sofort Bauch und Beine in Bewegung gesetzt, um eine Neuanschaffung zu tätigen. Tja, und was hat es gebracht? Sechs neue Kissen und eine blaue Schlaf-Banane (so habe ich das teure Seitenschläferteil getauft), mit denen ich jetzt nachts "kämpfe", wenn ich mal wieder nach der richtigen Liegeposition suche. Am Rande des Wahnsinns bin ich deshalb aber nicht - Gott sei’s gedankt. Denn kaum, dass ich das Baby strampeln und klopfen spüre, geht mir das Herz auf und ich könnte vor Freude weinen. Das hat die Natur wirklich gut eingerichtet ...
Urlaub nach Maß: Erst Paris, dann Normandie (23. SSW)
Der sechste Monat soll ja geradezu ideal sein für einen Urlaub. Haben wir irgendwo gelesen und uns deshalb entschlossen, noch einmal wegzufahren. Eine Woche lang wollten wir es uns gut gehen lassen im schönen Frankreich. Damit das auch klappen konnte, packe ich tausend Dinge ein, als führen wir ein halbes Jahr in die Wüste. Es gab praktisch Nichts, an das ich nicht gedacht hätte. Bernhards geliebter Alfa hing deshalb hinten ganz schön runter, als wir starteten. Doch er schwieg dezent dazu - ich soll mich ja nicht aufregen.In Paris fuhren wir dieses Mal das "schlanke" Programm, weil ich ob meiner neuen Rundungen ja keine längeren Strecken mehr durchhalte. Sind zum Beispiel im Museé Quai Branly von Stararchitekt Jean Nouvel gewesen. Und im Rodin-Museum, in dessen Park es bei strahlender Sonne wunderschön ist. Nicht zu vergessen die vielen Zwischenstopps in Bäckereien und Cafés, die das Ganze kulinarisch sehr aufwerten. Drei Tage später ging es dann weiter Richtung Normandie; über Chartre (die Kathedrale ist beeindruckend), Mont Saint Michel (sehr niedlich, aber bei genauerem Hinsehen extrem touristisch und teuer) und Bayeux (zauberhafte Altstadt) nach Langrune sur Mer. Es war eine wunderbare Tour, die wir da erlebten! Zu zweit, ganz für uns, und doch auch irgendwie zu dritt. Stundenlang wanderten wir am Strand entlang und ließen uns die würzige Seeluft um die Nase wehen. Wir waren fröhlich und lebten in den Tag hinein. Ein Urlaub nach Maß! Erst gefunden, dann gesucht (23. SSW)
Die Wochen gehen ins Land und der Bauch wird runder. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Tag, den der Murkel und ich gemeinsam erleben. Und noch dankbarer für jeden, an dem auch Bernhard bei uns ist. Wovor wir allerdings noch leicht bis mittelschwer "zurückscheuen", ist, die Dinge des Lebens zu dritt jetzt komplett festzuzurren. Man hört es ja immer wieder, dass noch so viel passieren kann bis zur Geburt. Deshalb traue ich mich wohl auch nur ganz zögerlich, mich mit Vorbereitungskursen, Erstausstattung und ähnlichem zu befassen.Was wir aber schon haben - oh Wunder! - ist der Name. Keine zwei Minuten dauerte das. Bernhard nannte seinen Favoriten für einen Jungen und ich dann meinen für ein Mädchen. Beides klang in unseren Ohren perfekt und schön, sodass wir quasi in Weltjahresbestzeit einen Namen für unser Baby gefunden hatten.
Gott, war ich happy, dass wir keine langen Diskussionen führen mussten, um zum Ergebnis zu kommen! Aber nur bis zum vorigen Wochenende. Denn da wurden meine Ohren plötzlich ganz spitz, als der werdende Vater beim Frühstück meinte: "Sag mal, meinst Du nicht, wir sollten uns noch einmal mit dem Namen beschäftigen? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass wir da etwas voreilig waren und es uns zu leicht gemacht haben. Nur so, mal gucken, was es noch gibt, vielleicht finden wir ja etwas Besseres . . ."
Tja, so kann es gehen. Da denkt man, wenigstens das sei im Kasten - aber nein. Falsch gedacht! Wie auch immer, ich werde gleich mal in die Buchhandlung gehen und nach passender Lektüre suchen. Damit dürfte das nächste Wochenende dann in Gänze ausgefüllt sein, und das übernächste, und dann das überübernächste...
Der Fluch des Informationszeitalters (22. SSW)
Als Schwangere ist man ja nahezu täglich mit irgendwelchen Fragen und Problemen konfrontiert, auf die man am besten jetzt und gleich eine Antwort haben möchte. Ich bin ein Paradebeispiel dafür. Mein Top-Thema: Was ist (wann) normal in der Schwangerschaft und was nicht? Oder auch: Was darf ich und was darf ich nicht?
Seien es nun Rückenschmerzen, dicke Hände, Kopfweh, Bauchumfang und Dehnungsstreifen, seien es Vitaminbedarf, der dringende Wunsch nach einem mehrstündigen Solariumbesuch wegen akuter Blässe, Koffeinkonsum oder die Angst vor postnataler Depression wie Brooke Shields sie hatte (wenn man danach allerdings so irre gut aussieht wie sie, will ich das doch haben - unbedingt!) - mit zwei, drei Stichworten googelt man ruckzuck zahllosen "Treffern" entgegen.
An sich eine phantastische Sache. Denn weder habe ich so viel Geld, mir stapelweise Fachliteratur zuzulegen, noch so viel Zeit, sie dann genau zu studieren. Und auf dem allerneuesten Stand, wie ihn das worldwideweb bieten kann, bin ich grundsätzlich gern. Indes: Für manche "Treffer" muss man gut gewappnet sein, wie ich herausgefunden habe.
Beispiel 1: Die Frage nach kurzen Infos zur 13. Schwangerschaftwoche kann schon mal mit Horrorstories zu schwersten Missbildungen des Fötus oder Fehlgeburten "beantwortet" werden. Beispiel 2: Eine klitzekleine Anfrage zu Wassereinlagerungen führt zu Diagnosen, mit denen man nicht mal in einem Thriller von Tess Gerritsen konfrontiert sein möchte. Beispiel 3: Aus Langeweile im Netz surfen und von körperlichen Beschwerden lesen, die man bis dato gar nicht kannte, dafür aber definitiv hat, wenn man nur intensiv genug daran denkt ...
Seien es nun Rückenschmerzen, dicke Hände, Kopfweh, Bauchumfang und Dehnungsstreifen, seien es Vitaminbedarf, der dringende Wunsch nach einem mehrstündigen Solariumbesuch wegen akuter Blässe, Koffeinkonsum oder die Angst vor postnataler Depression wie Brooke Shields sie hatte (wenn man danach allerdings so irre gut aussieht wie sie, will ich das doch haben - unbedingt!) - mit zwei, drei Stichworten googelt man ruckzuck zahllosen "Treffern" entgegen.
An sich eine phantastische Sache. Denn weder habe ich so viel Geld, mir stapelweise Fachliteratur zuzulegen, noch so viel Zeit, sie dann genau zu studieren. Und auf dem allerneuesten Stand, wie ihn das worldwideweb bieten kann, bin ich grundsätzlich gern. Indes: Für manche "Treffer" muss man gut gewappnet sein, wie ich herausgefunden habe.
Beispiel 1: Die Frage nach kurzen Infos zur 13. Schwangerschaftwoche kann schon mal mit Horrorstories zu schwersten Missbildungen des Fötus oder Fehlgeburten "beantwortet" werden. Beispiel 2: Eine klitzekleine Anfrage zu Wassereinlagerungen führt zu Diagnosen, mit denen man nicht mal in einem Thriller von Tess Gerritsen konfrontiert sein möchte. Beispiel 3: Aus Langeweile im Netz surfen und von körperlichen Beschwerden lesen, die man bis dato gar nicht kannte, dafür aber definitiv hat, wenn man nur intensiv genug daran denkt ...
Wird's ein Mädchen oder ein Junge? (21. SSW)
"Sag mal, was wird es denn?" - "Also, wenn ich Dich so anschaue, bin ich mir sicher, dass es ein Mädchen wird." - "Jetzt sag' doch mal, hab' Dich nicht so! Musst doch kein Geheimnis draus machen!"
Jaja, wenn es darum geht, was "es" nun ist bzw. wird, kriegen wir dieser Tage richtig viele Anfragen. Erst gestern abend kam Bernhard nach Hause, fiel erschöpft auf die Couch und meinte, er sei den ganzen Abend von Freunden bombardiert worden. Alle paar Minuten sei die Unterhaltung ruckartig mit der Frage unterbrochen worden, ob wir nun ein Mädchen oder einen Jungen bekommen. Und wieder, und wieder, und wieder . . .
Da standhaft zu bleiben, ist alles andere als leicht. Aber wir haben es uns nun einmal fest vorgenommen. Direkt nach der Fruchtwasserpunktion, an einem sonnigen Vormittag im August in Dortmund. Da hielten wir die Antwort auf einem kleinen Zettel in der Hand - und schauten uns glückselig an. Über "Variante B" hätten wir uns aber mindestens genauso gefreut. Hauptsache, das Baby ist gesund! Das ist es, was wir uns wirklich wünschen.
Warum wir "es" partout nicht verraten wollen, ist uns zwischenzeitlich übrigens entfallen. Muss das Alter sein. Nun gut, "wenn schon grundlos, denn schon prinzipientreu" ist jetzt unsere Devise. Nur: Dass wir uns früher oder später "verplappern", ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein paar Mal haben wir das ja auch schon geschafft, allerdings ohne, dass es die anderen wirklich mitbekamen, denn "Variante B" wurde immer schnell nachgeschoben. Mal sehen, wie gut wir dichthalten können.
Jaja, wenn es darum geht, was "es" nun ist bzw. wird, kriegen wir dieser Tage richtig viele Anfragen. Erst gestern abend kam Bernhard nach Hause, fiel erschöpft auf die Couch und meinte, er sei den ganzen Abend von Freunden bombardiert worden. Alle paar Minuten sei die Unterhaltung ruckartig mit der Frage unterbrochen worden, ob wir nun ein Mädchen oder einen Jungen bekommen. Und wieder, und wieder, und wieder . . .
Da standhaft zu bleiben, ist alles andere als leicht. Aber wir haben es uns nun einmal fest vorgenommen. Direkt nach der Fruchtwasserpunktion, an einem sonnigen Vormittag im August in Dortmund. Da hielten wir die Antwort auf einem kleinen Zettel in der Hand - und schauten uns glückselig an. Über "Variante B" hätten wir uns aber mindestens genauso gefreut. Hauptsache, das Baby ist gesund! Das ist es, was wir uns wirklich wünschen.
Warum wir "es" partout nicht verraten wollen, ist uns zwischenzeitlich übrigens entfallen. Muss das Alter sein. Nun gut, "wenn schon grundlos, denn schon prinzipientreu" ist jetzt unsere Devise. Nur: Dass wir uns früher oder später "verplappern", ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein paar Mal haben wir das ja auch schon geschafft, allerdings ohne, dass es die anderen wirklich mitbekamen, denn "Variante B" wurde immer schnell nachgeschoben. Mal sehen, wie gut wir dichthalten können.
Klopfzeichen - aber bitte regelmäßig! (20. SSW)
Ich kann unser Baby spüren, was für ein unglaubliches Geschenk! Frühestens in der 20. Woche, hatte man mir gesagt. Aber ich kann es schon seit der 18. SSW, da bin ich ganz sicher. Meine Cousine, selbst Mutter einer zauberhaften dreijährigen Nele, hatte gemeint, ich solle doch mal abends vorm Einschlafen genau in mich hineinhören. Habe ich gemacht - und bin vor Glück geschwebt . Nun gibt es nur ein Problem: Wenn ich den Murkel einmal nicht spüre, werde ich nervös. Sehr nervös sogar. So wie heute. Seit Stunden warte ich darauf, dass das Baby Klopfzeichen gibt - aber nichts passiert. Himmel noch mal, was ist bloß los? Macht ihm meine Erkältung vielleicht doch zu schaffen? Die Ärztin hatte doch gesagt, es besteht keine Gefahr. Oder hat das Würmchen einfach nur mal Lust auf Ruhe, jetzt, wo es hören kann? Ich weiß es nicht. Da werde ich wohl Ruhe bewahren müssen. Oder "cool bleiben", wie Bernhard sagt. Nur, das ist nicht wirklich meine Art. Leider.
Ja, was denn nun? Chic oder dick? (18. SSW)
Mein Bauch wächst langsam vor sich hin. Ich bin ganz stolz darauf und zeige ihn gern! Das Dekolleté auch; es ist das erste Mal überhaupt, dass ich eines habe. Alles tutti soweit. Aus meiner Sicht. Allein: Es gibt jetzt nahezu täglich Kommentare zu meiner Figur. Das Besondere daran ist, dass Männer und Frauen hier ganz unterschiedliche Auffassungen kundtun. Hätte ich nie gedacht. Also: Von weiblicher Seite habe ich - oh Freude - nun schon mehrfach vernommen, dass ich einen wunderbar-runden Babybauch habe. Das sehe echt süß aus! Danke, danke, finde ich auch. Von Männern indes wird mir gern gesagt, dass ich ja nicht den Fehler machen sollte zu glauben, ich müsse jetzt für zwei essen. Maß halten sei in der Schwangerschaft durchaus ratsam, wenn ich hinterher wieder gut aussehen wolle. Und das wolle ich doch, oder? Danke, danke, da wäre ich von alleine nicht drauf gekommen. Bernhard schweigt dazu und lässt mich mit solchen Anmerkungen ganz in Ruhe. Er weiß eben, was sich gehört. Nur, dass er mich mittlerweile gerne "Robbie" nennt, wenn ich abends meinen Bauch öle und in die Kissen sinke - oder morgens komische Verrenkungen mache, um da wieder rauszukommen, irritiert mich. Irgendwie.
Fröhliche Feier in Frankfurt - schlechtes Gewissen in Dortmund (17. SSW)
Mein Schatz hatte Geburtstag - und den haben wir ausgelassen gefeiert, in einer urigen Apfelweinkneipe in Sachsenhausen. Schön war's! Nicht nur die Gäste waren bester Laune, auch das Wetter spielte zur Abwechslung mal mit, sodass wir draußen sitzen konnten. Alle plauderten munter drauflos und der Wein floss in die Kehlen. Neidisch brauchte ich aber nicht zu sein, denn Bernhard hatte doch wirklich und wahrhaftig alkoholfreien Wein für mich aufgetrieben - den ich voller Stolz mitgenommen hatte. Nicht, dass dieses Tröpfchen geschmacklich vergleichbar wäre mit "echtem", aber allein die Tatsache, auch mal ein Weinglas vor sich zu haben und daran zu nippen, als wäre es echter, machte mich total happy.
Tage später, als ich bei meiner Ärztin zur Untersuchung war, erzählte ich ihr von der Feier - und wie toll ich es von meinem Herzbuben finde, dass er diesen Wein nach langem Suchen für mich aufgetrieben habe. Die Annahme, sie würde sich mit mir freuen, blieb indes eine solche. Denn ihre Antwort war: Sie habe am Wochenende eine Studie über Alkohol in der Schwangerschaft gelesen. Darin sei nochmals bestätigt worden, wie schädlich dieser sei und welche Folgen er für das Kind haben könne. Den Einwand, ich habe doch keinen richtigen, sondern alkoholfreien Wein getrunken, ließ sie nicht gelten - so etwas gebe es nicht! Auch nicht bei Bier oder Sekt. Ich solle es deshalb unbedingt ganz lassen. Punkt.
Gesenkten Hauptes und mega-schlechten Gewissens schlich ich nach Hause. Jeder alkoholfreie Tropfen, den ich in den letzten Monaten getrunken hatte, kam mir in den Sinn. Und damit meine Schuld, wenn unser Kind später nicht rechnen oder lesen können sollte. Bernhard beruhigte mich (was jedoch Tage brauchte) und dann auch meine Freundinnen, die schon Kinder haben. Sie alle erzählten mir, dass sie während der Schwangerschaft das ein oder andere Mal etwas "Unerlaubtes" getrunken hätten. Da hörte das Nervenflattern dann irgendwann auf. Nur: Ein komisches Gefühl habe ich jetzt schon, wenn ich mal ein Schlückchen Sekt oder Bier trinken möchte - selbst wenn 0,0 Prozent auf dem Etikett steht.
Tage später, als ich bei meiner Ärztin zur Untersuchung war, erzählte ich ihr von der Feier - und wie toll ich es von meinem Herzbuben finde, dass er diesen Wein nach langem Suchen für mich aufgetrieben habe. Die Annahme, sie würde sich mit mir freuen, blieb indes eine solche. Denn ihre Antwort war: Sie habe am Wochenende eine Studie über Alkohol in der Schwangerschaft gelesen. Darin sei nochmals bestätigt worden, wie schädlich dieser sei und welche Folgen er für das Kind haben könne. Den Einwand, ich habe doch keinen richtigen, sondern alkoholfreien Wein getrunken, ließ sie nicht gelten - so etwas gebe es nicht! Auch nicht bei Bier oder Sekt. Ich solle es deshalb unbedingt ganz lassen. Punkt.
Gesenkten Hauptes und mega-schlechten Gewissens schlich ich nach Hause. Jeder alkoholfreie Tropfen, den ich in den letzten Monaten getrunken hatte, kam mir in den Sinn. Und damit meine Schuld, wenn unser Kind später nicht rechnen oder lesen können sollte. Bernhard beruhigte mich (was jedoch Tage brauchte) und dann auch meine Freundinnen, die schon Kinder haben. Sie alle erzählten mir, dass sie während der Schwangerschaft das ein oder andere Mal etwas "Unerlaubtes" getrunken hätten. Da hörte das Nervenflattern dann irgendwann auf. Nur: Ein komisches Gefühl habe ich jetzt schon, wenn ich mal ein Schlückchen Sekt oder Bier trinken möchte - selbst wenn 0,0 Prozent auf dem Etikett steht.
Alle Angst war umsonst
Zwei Tage ist es nun her, dass wir die Fruchtwasserpunktion haben machen lassen. Der Schnelltest war "o.k." und wir sind ausgesprochen glücklich darüber.
Vor dieser Untersuchung hatte ich richtige Angst. Was, wenn das Baby sich zu stark bewegt? Was, wenn ich vor Schmerz zusammenzucke, sobald die Riesennadel in den Bauch gepiekst wird? Ja, und was, wenn . . .? Alle Angst war dann aber umsonst. Denn als ich nach dem ausgedehnten Ultraschall - übrigens eine tolle Show auf der Riesen-Leinwand! - anfangen wollte zu leiden, war es praktisch schon vorbei. Nicht mal eine Minute hat der Eingriff gedauert. Schnell und easy. Zur Belohnung bekam ich danach ein Stück Torte, leider nur eins - denn, wie gesagt, ich habe ja nicht wirklich gelitten. Da ist Bernhard konsequent.
Die Entscheidung zu dieser Untersuchung haben wir ganz bewusst getroffen. Wir sind dem Rat meiner Ärztin gefolgt, primär aus Altersgründen und weil ich Anfang des Jahres eine Fehlgeburt hatte. Aber eben auch, weil wir keine Freunde von Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind, wie sie ja bei einer Reihe von Untersuchungen angestellt werden.
Dass unsere Offenheit über die Punktion gleichwohl zu manch' regen, um nicht zu sagen heftigen Diskussionen im Familien- und Freundeskreis führte, kam dann aber doch überraschend. Mich hat es sehr belastet, Bernhard konnte es wohl besser wegstecken.
Vor dieser Untersuchung hatte ich richtige Angst. Was, wenn das Baby sich zu stark bewegt? Was, wenn ich vor Schmerz zusammenzucke, sobald die Riesennadel in den Bauch gepiekst wird? Ja, und was, wenn . . .? Alle Angst war dann aber umsonst. Denn als ich nach dem ausgedehnten Ultraschall - übrigens eine tolle Show auf der Riesen-Leinwand! - anfangen wollte zu leiden, war es praktisch schon vorbei. Nicht mal eine Minute hat der Eingriff gedauert. Schnell und easy. Zur Belohnung bekam ich danach ein Stück Torte, leider nur eins - denn, wie gesagt, ich habe ja nicht wirklich gelitten. Da ist Bernhard konsequent.
Die Entscheidung zu dieser Untersuchung haben wir ganz bewusst getroffen. Wir sind dem Rat meiner Ärztin gefolgt, primär aus Altersgründen und weil ich Anfang des Jahres eine Fehlgeburt hatte. Aber eben auch, weil wir keine Freunde von Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind, wie sie ja bei einer Reihe von Untersuchungen angestellt werden.
Dass unsere Offenheit über die Punktion gleichwohl zu manch' regen, um nicht zu sagen heftigen Diskussionen im Familien- und Freundeskreis führte, kam dann aber doch überraschend. Mich hat es sehr belastet, Bernhard konnte es wohl besser wegstecken.
Auf einmal geht es Schlag auf Schlag
Erst passiert so gut wie gar nichts - und dann geht's Schlag auf Schlag. Also, Punkt eins: Ich arbeite wieder. Als ich montags morgens durch die Tür komme, sagt mir meine Kollegin gleich nach der Begrüßung, dass sie glaubt, ich sei schwanger. Pure Hilflosigkeit überkommt mich, denn eigentlich wollte ich ja noch schweigen - mindestens bis zur 16. SSW -, um das zu erwartende Gerede im Haus so lange wie möglich hinauszuzögern. Tja, und nun das! Okay, ich bin flexibel und gebe ihr schließlich ein strahlendes "Ja". Aber nur ihr, und meinen beiden Chefs. Mehr Leute brauchen es erst einmal nicht wissen. Vorerst jedenfalls. Punkt zwei: Die Nackenfaltenmessung hat ergeben, dass es keine Auffälligkeiten gibt. Drei Mal hat meine Ärztin gemessen, um mich davon auch wirklich zu überzeugen (ich halte es immer wieder gerne mit Macbeth "to make assurance double sure"). Die Ärmste hat's nicht leicht mit mir. Ich mit mir aber auch nicht . . . Punkt drei: Ich bin jetzt Stammgast bei H&M. In die Mama-Abteilung traue ich mich noch nicht, dafür aber an jede Kleiderstange, auf der zeltähnliche Oberteile hängen. Mein Glaube, dass diese weit geschnittenen Sachen jetzt ja schwer in Mode sind und daher wohl niemand auf die Idee kommen kann, dass ich schwanger bin, ist schlichtweg falsch. Wie hat meine Oma immer so treffend gesagt? "Einbildung ist auch 'ne Bildung, für manchen wohl die einzige." - Genau in diesem Stadium befinde ich mich jetzt. Na klasse!
Ich muss die Füße ganz still halten
Es ist leider keine wirklich fröhliche, unbeschwerte Zeit. Weder für mich, noch für Bernhard. Ich bin erst einmal dauer-krank geschrieben. Mindestens ein Mal in der Woche gehe ich zu meiner Gynäkologin, weil die Blutungen nicht aufhören wollen. Ich muss jetzt Penicillin schlucken, um alle Eventualitäten zu beseitigen. Bin hypervorsichtig, will nichts falsch machen, packe mich selbst in Watte und kreise tags wie nachts um die gleichen Gedanken: Wird alles wieder gut? Wie geht es dem Würmchen in mir? Meine Furcht ist nicht wirklich erklärbar, denn die Untersuchungen zeigen, das alles okay ist. Wenn irgendetwas - real besehen - nicht okay ist, dann Taillenweite und Gewicht. Die Jana-Normalmaße sind futsch. Gottchen, was habe ich mich nahezu täglich geschunden und yogistisch verrenkt, um auch mit fast 40 noch eine gute Figur zu haben. Und nun? Alles den Bach runter. Weil: Nix mit Bewegung. Und auch nix mit Übelkeit oder sonstigen Appetithemmern. Nein, nein: Stattdessen tägliche Nutella-Attacken (der Esslöffel liegt direkt neben dem Glas, um keine Zeit zu verlieren) und einen Riesenhunger auf Fleischsalat und Hering. Weil es vielen anderen Schwangeren auch so oder so ähnlich gehen soll, wie ich in meinem Buch und im Internet lesen kann, habe ich kein ernsthaft schlechtes Gewissen.
Schwanger werden und schwanger sein
Große Augen hat er gemacht, der angehende Herr Papa, als er braun gebrannt heimkam. Und von einem Ohr zum anderen hat er gestrahlt. Wieder und wieder schaute er sich das erste Ultraschallbild an, auf dem noch nicht allzu viel zu sehen ist. Ja, wir freuen uns sehr! Wenn man um die 40 ist, so wie wir, ist es nämlich keineswegs selbstverständlich, problemlos schwanger zu werden. Was nun aber das schwanger sein angeht, möchte ich zu diesem Zeitpunkt anmerken: ". . . dagegen sehr". Zum Auftakt werde ich erst einmal richtig krank. Eine böse Erkältung lässt mich ganz schön alt aussehen. Als diese dann nach mehr als einer Woche überstanden ist, geht es los mit Schmierblutungen. Und die rauben mir fast den Verstand! Ich habe panische Angst davor, das Baby zu verlieren. Meine Ärztin zieht mich erst einmal komplett aus dem Verkehr und verordnet mir Ruhe. Doch genau das fällt mir extrem schwer, weil ich eigentlich immer gern in Action bin. Jetzt ist es wirklich passiert!
Was für ein Freitag: Auf der Arbeit gebe ich mein Bestes, aber meine Gedanken sind woanders. Ganz woanders. Denn wenn ich mich so im Spiegel anschaue, bemerke ich gewisse Veränderungen . . . Ich mache überpünktlich Feierabend, fahre zitternd nach Hause und greife nach zig Minuten des Hin-und-Her-Tigerns zum Test-Stäbchen. Schweiß steht mir auf der Stirn. "Was, wenn das Wort ,schwanger' darauf auftaucht?", frage ich mich. - Zwei Sekunden später passiert genau das. Oh Herr, jetzt ist es also wirklich passiert. Ich fasse es nicht! Mein Herz rast. Der Wunsch nach einer Ohnmacht überwältigt mich. Nur leider ist niemand da, um mich aufzufangen. Ich würde allein auf die kalten Fliesen sinken müssen. Mein Herzbube macht nämlich gerade mit seinem besten Freund Urlaub in Marokko. Sie düsen mit irgendeinem alten Auto durch die Sahara. Da werde ich mich noch ein bißchen gedulden müssen, bevor ich ihm die frohe Botschaft mitteilen kann. Wie er "es" wohl aufnimmt???
Portrait
Liebe Leser, mein Name ist Jana Mielke und ich bin 39 Jahre alt. Für Anfang Februar 2008 erwarten Bernhard und ich ein Baby. Und damit auch ein gemeinsames Leben; bislang führen wir nämlich eine Wochenend-Beziehung, was bedeutet: In der Woche bin ich in Dortmund als Pressereferentin aktiv und er arbeitet als Designer in seinem Büro nahe Frankfurt. Wir sind 220 Kilometer entfernt voneinander, Telefon hin, Internet her.Es ist eine aufregende Zeit für uns beide, denn es ist unser erstes Kind. Manchmal kommt es mir so vor, als gebe es jeden Tag etwas Neues zu erleben - oder auch zu überstehen. Je nach Sichtweise. Da ich nicht mehr die Jüngste bin, gelte ich als "Spätgebärende". Meiner Schwangerschaft wird somit besondere medizinische Aufmerksamkeit geschenkt. 