Zeckenalarm

Nachmittags war Felix mit Oma am Waldsee, und als ich ihm beim Abendbrot über den Kopf strich, merkte ich, dass dort ein kleiner Knubbel zu spüren war. Zuerst dachte ich, es handele sich um ein Stückchen Holz oder er habe sich gekratzt und es hätte sich dort Schorf gebildet. Erst beim reflexartigen Versuch des Entfernens und damit näherem Hinsehen sah ich, dass er sich ganz offenbar trotz schützender Schirmmütze eine Zecke eingefangen hatte, denn a) ließ sich der „Knubbel“ nicht einfach entfernen und b) bewegte er sich plötzlich.
Es handelte sich um eine so genannte Nymphe, eine noch sehr kleine Zecke, die nichts desto trotz gerade anfing, kräftig Blut zu saugen. Es war bereits ein kleines rotes Tröpfchen in ihrem Leib zu erkennen und sie hing mit ihren Saugwerkzeugen auch schon sehr fest in Felix’ Kopfhaut, wie wir zu unserem Schrecken feststellten.
Sofort holte ich meine so genannte Zeckenkarte, denn mit einer Pinzette ist diesen Nymphen schlecht beizukommen. Benutzt hatte ich besagte Karte allerdings noch nie und war folglich ebenso aufgeregt wie vorsichtig, als sie nun erstmals zum Einsatz kam. Felix war ganz tapfer, und beim dritten Versuch gelang es mir, die Zecke vollständig, also einschließlich Saugwerkzeugen, von seinem Kopf zu lösen. Dann desinfizierte ich die Stelle ringsherum gründlich mit medizinischem Alkohol und rief in der Ambulanz des Kinderkrankenhauses an. Dort sagte man mir, mein Vorgehen sei genau richtig gewesen und die Gefahr, sich durch einen Zeckenbiss mit Borreliose, FSME oder sonstigen gefährlichen Krankheiten anzustecken, sei umso geringer, je eher man das Tier vollständig entferne. Das ging in Felix’ Fall ja zum Glück relativ schnell, denn die Zecke wäre deutlich dicker gewesen, wenn sie schon länger bei ihm Blut gesaugt hätte. Trotzdem müssen wir noch einige Tage lang regelmäßig an der Bissstelle schauen, ob sich eventuell um sie eine Rötung zeigt. Wenn das passieren sollte, müssten wir umgehend mit ihm zum Arzt. Und falls er innerhalb der nächsten sechs Monate eine fieberhafte Infektion mit Kopfschmerzen bekäme, sollten wir immer darauf hinweisen, dass er einen Zeckenbiss hatte. Vorsorglich habe ich einen neonfarbigen Haftnotizzettel in seinem Untersuchungsheft angebracht, auf dem die Notiz steht: „22.06.2010: Zecke am Kopf entfernt.“

Am nächsten Tag habe ich gleich für jede Gruppe in Felix’ Kindergarten eine Zeckenkarte (diese Plastikkarten im Scheckkartenformat mit der Vorrichtung zum Entfernen gibt es in der Apotheke) besorgt, denn die Leiterin war ganz begeistert, als ich ihr die Geschichte erzählte und zeigte, wie vergleichsweise einfach die Anwendung ist.


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