Entscheidungsfindung bei Dreijährigen

In einem der so genannten Elternbriefe steht (Elternbriefe sind Info-Briefe zum jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes, die man abonnieren kann; wir haben
sie für die Zeit bis zum 3. Geburtstag in einer sog. Babybegrüßungsmappe der örtlichen Verwaltung erhalten), dass Zwei- bis Dreijährige mit dem Treffen von
Entscheidungen hoffnungslos überfordert seien und deshalb in solchen Situationen besonders trotzig werden könnten. Das mag ja auf manche Entscheidungen zutreffen, aber das mit dem Trotz hatte bei Felix bisher noch nie etwas mit Entscheidungen zu tun. Vielmehr ist er neuerdings ein begeisterter „Entscheider“ – sein Standardspruch, wenn er z. B. die Wahl zwischen einem orangen (Orange-Maracuja) und einem roten (Waldbeere) Eis hat lautet: „Ich erstmal überlegen."
Kurz danach ist diese Überlegung allerdings abgeschlossen und er greift sich zielsicher eines der zur Auswahl stehenden Eise.
Sein Lieblingsausspruch wird aber auch bei Kleidung, Essen und Freizeit-aktivitäten angewendet. Er liebt es, vor dem Kühlschrank zu stehen und sich sein Essen selbst zusammenzustellen, mit Wasserfarben zu malen, deren Farbwahl uns gelegentlich zu denken gibt (seine Lieblingsfarbe ist schwarz!) oder sich spontan für ein bestimmtes Spielzeug und damit natürlich gegen ein anderes zu entscheiden.
Das mit der Lieblingsfarbe war u. a. - von uns leicht besorgt - angesprochenes Gesprächsthema beim letzten Elterngespräch in der Krippe. Die Erzieherin
beruhigte uns allerdings und meinte, zum einen sei das auch ihre Lieblingsfarbe und zum anderen sei vermutlich der starke Kontrast zum weißen Blatt
ausschlaggebend für diese Vorliebe. Hm, und ich hatte schon befürchtet, der mütterliche Musikgeschmack (gothic metal) einschließlich gelegentlich
entsprechender Kleidung wäre die Ursache ;-).
Umso erstaunter waren wir neulich, als Felix stolz mit einem weiteren selbstgemalten Bild aus der Krippe kam – da dominierte ein schönes kräftiges Rot. Auf unsere erfreute Nachfrage bei der Erzieherin wie denn das käme, wurden wir allerdings ernüchtert, denn die Antwort lautete: „schwarz war alle“ ... Nun ja, solange er so gern lacht und ein so lustiges munteres Kerlchen bleibt wie er es jetzt ist, sollte uns seine Farbvorliebe wohl nicht zu sehr beunruhigen.


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