Anerkennung

Vor ein paar Tagen traf ich in der Mittagspause zufällig einen Kollegen, mit dem ich in einem früheren Projekt zusammengearbeitet habe. Auf seine Begrüßung „Schön Sie zu treffen, habe Sie lange nicht gesehen“, erwiderte ich, dass ich fünf Monate wegen Mutterschutzes und anschließendem Jahresurlaubs nicht in der Bank gewesen sei. „Oh, habe gar nicht mitbekommen, dass Sie schwanger waren - die Schwangerschaft sah man mir in der Tat lange Zeit nicht an - dann haben Sie also das 2. Kind bekommen. Jetzt arbeiten Sie sicherlich nur noch halbe Tage, nicht wahr?“
Ich klärte ihn über meine Vollzeittätigkeit auf und nachdem ich auf weitere Fragen kurz unseren familiären Tagesablauf geschildert hatte, bemerkte ich abschließend, dass mir bei aller abwesenheitsbedingten Sehnsucht nach und Liebe zu meinen Kindern schlichtweg das Geld und auch die berufliche Anerkennung fehlen würden, wenn ich weniger oder gar nicht arbeiten würde. Woraufhin er irritiert fragte, ob denn das Lächeln meiner Kinder nicht Anerkennung genug sei. Nun ja – ich verriet ihm daraufhin, dass die beiden keinesfalls den ganzen Tag lächeln und mein von zu Hause aus arbeitender Ehemann mich phasenweise stark um meinen überwiegend aushäusigen Job beneidet. Ergänzend erwähnte ich noch, dass ich zum Ausgleich die Abende und Wochenenden mit meinen Kindern intensiv genieße und es für uns alle etwas Besonderes ist, wenn wir z. B. am Samstag gemeinsam ein Pfefferkuchenhaus und am Sonntag einen Schneemann bauen. Bei solchen Unternehmungen bleibt bei einer Mischung aus Neugierde, Begeisterung, kindlicher Ungeduld und Staunen im Ergebnis immer ein mehr oder weniger großes Lächeln und oft auch herzhaftes lautes Kinderlachen in meiner Erinnerung hängen. Womit sich zum Thema Anerkennung der Kreis für mich schließt.


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