Ich bin ein Mensch, der Neuigkeiten gerne schnell erfährt und auch gute Nachrichten mit Freude weitererzählt. Eines Morgens, es war der 22. Dezember, wurde ich von dem Übelkeitsgeräusch meiner Frau aufgeweckt. Zuerst dachte ich mir nichts dabei und fragte, ob alles in Ordnung sei. Anja erwiderte mit einem nüchternen „ja Schatz, alles in bester Ordnung“. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich auch den ganzen Tag nicht mehr an diese morgendlichen Geschehnisse.
Endlich Abend, nur noch zwei Tage bis Weihnachten. Als ich die Tür öffnete stand meine Frau im Bad, schminkte sich und bereitete sich zum Gehen vor. „Musst du denn noch Geschenke besorgen?“, fragte ich. „Nein, dieses Jahr hab ich alles“, worauf sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht breit machte. „Musst du noch einkaufen fahren?“ - ich bin sehr neugierig. „Nein alles vorhanden“. Hmm, komisch dachte ich mir. „Wenn du alle Geschenke hast, nichts mehr einkaufen musst – warum gehst du dann nochmal?“.
Anja war, glaub' ich, ein wenig von meiner Fragerei genervt und antwortete: „Na gut, ich sags dir. Aber beschwer dich nicht, du wolltest es immer ganz besonders erzählt bekommen (zugegeben bis dahin wusste ich nicht, von was sie redet. Männer eben. Manchmal stehen wir einfach auf dem Schlauch).
"Ich bin schwanger und habe zum Glück noch spontan heute einen Arzttermin bekommen. Der ist gleich. Willst du mitkommen?“ Wie was? Moment. Schwanger? Jippi … Nun machte das alles für mich Sinn. Übelkeit, das Schminken für den Doktor, etc. Klar komm ich mit … Nach einer innigen Umarmung fuhren wir zum Doktor.
Anja erzählte mir auf der Fahrt, das sie für das erste Ultraschall Bildschon einen Bilderrahmen gekauft hatte . Sie wollte es mir schenken und mir damit die frohe Botschaft überbringen. Tja, wie anfangs gesagt, ich erfahre Neuigkeiten immer gerne schnell.
Anja erzählte und erzählte die ganze Fahrt über. Zugegeben hörte ich nur mit einem Ohr zu. Ich war mit meinen Gedanken weit entfernt. Dem ersten Freudenschrei folgten auf einmal Gedanken wie: Wirft mein Geschäft soviel ab, das du eine Familie ernähren kannst? Bist du bereit, Vater zu sein? Was kommt auf dich zu? Eine Fahrt voll Freude, aber auch finanziellen Ängsten und Zukunftssorgen. Dann ging alles ziemlich schnell. Das Wartezimmer war leer, der Arzt bat um Urin und machte einen Ultraschall. Sein Fazit: Nicht schwanger!
Mit diesen ernüchternden Worten verließen wir die Praxis. Im Auto schossen die Tränen in die Augen meiner Frau. Nun war meine Rolle als Tröster gefragt. Anja erklärte mir, das auf dem Schwangerschaftstest „schwanger 1-2 für 1. bis 2. Woche“ stand und das sie doch nicht zu blöd sei, einen Test zu lesen. Spontan fuhr ich in die nächste Apotheke und holte zwei weitere Tests von unterschiedlichen Marken, um sicher zu gehen. Die beiden darauffolgenden Tage wiederholten wir die Tests. Jedesmal zeigte es das gleiche Ergebnis an. Da war die Gewissheit schon sehr groß. Meine Frau ist tatsächlich schwanger und das zu Weihnachten.
Mein nächster Gang war sofort zu einem Bild von meinem Vater, der vor ca. zwei Jahren verstorben ist und sich so sehr ein Enkelkind gewünscht hatte. Meine Tränen flossen und ich sagte nur „Ich werde Vater, ich wünscht du könntest es miterleben Dad.“