Impfen

Endlich sind die  letzten Prüfungen für dieses Jahr geschafft:  VWL, Familienrecht und Europarecht bestimmten die letzten Wochen neben der Arbeit meine Abende. Meine Familie sah ich dann eigentlich immer nur ganz kurz und Anja musste den ganzen Job übernehmen. Sie sorgte dafür, dass ich in Ruhe lernen konnte. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle.
Es war schwer, Abend für Abend sich hinzusetzen und zu wissen, das Marlene im Nebenzimmer ist und ich grad nichts von ihr habe - und umgekehrt. Die Zeit ohne Papa nutzte Marlene anscheinend ganz gut für ihre Entwicklung. Deshalb war die  Freude umso größer, als ich Marlene dabei beobachten konnte wie sie ihre Hand entdeckt hat und ihre Augen einen Gegenstand nach dem anderen fokussiert haben. Dann auf kurzes Nachfragen immer ein kleines Lächeln. Manchmal auch schon mit Ton.
Die  Nächte sind momentan sehr kurz dadurch, da sie - so denke ich zumindest - das neu Erlebte abends auch verarbeiten muss. Viel viel Nähe steht immer noch hoch im Kurs.
Diese Woche waren wir auch beim Impfen. Das war 'ne Geschichte. Stunden- und Tagelang haben Anja und ich sachlich diskutiert, ob der Zeitpunkt schon der richtige ist und welche Impfungen denn überhaupt in Frage kommen. Das Problem dabei ist, dass man von jedem etwas anderes hört und jeder versucht, eine Art Experte zu sein. Naja, im Endeffekt ist der Arzt der Experte. Nach einer wirklich langen und intensiven Aufklärung durch ihn kamen dann die beiden
Nadelstiche. Marlene weinte so erbittert, dass man mir als Vater wohl das Leiden ansah. Nicht umsonst sagte der Arzt zu Marlene: "Gleich haben wir es geschafft. Ich mach schon schnell, denn dein Vater stirbt grad tausend Tode". Tja, so sind sie, die  Väter von Töchtern hab ich mir da nur gedacht. Bzgl. Impfungen können wir nur den einen Tipp geben. Lasst euch intensiv aufklären über jeden Stoff und hört ausschließlich auf euch selbst, denn zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei.
Das Wetter haben wir dieses Wochenende auch ausgenutzt und sind lange spazieren gegangen. Fragt sich nur, wer danach mehr k.o. war. Der weibliche Fahrgast im Kinderwagen oder der stolze Chauffeur.


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