Geburtsvorbereitungskurs Väter (Kopie 1)

„Sei pünktlich“ waren die Worte von Anja am Morgen des Geburtsvorbereitungskurses. Da das eine ernsthafte Ansage von ihr war und sie keine Miene zu einem Lächeln verzog, nahm ich das lieber als Befehl an und erfüllte wie mir geheißen.
Dort angekommen erwarteten mich Decken am Boden und eine Herde von offensichtlich genauso planloser zukünftiger Väter wie ich einer bin. Die Hebamme hatte mit ihrer sanften Stimme eine beruhigende Wirkung auf den Kreis der Anwesenden, aber doch immer mit einer unterschwelligen Botschaft an uns Männer. Diese bekamen wir auch gleich zu spüren. In einem Kreis aufstellen und fühlen, wie sich Wehen anfühlen. Also in die Skifahrerhocke und diese Position halten sowie das Becken kreisen lassen. Zum Glück machte ich mich nicht allein zum Affen. Als ich so rumschaute, erkannte man genau welche der Ladies schon einmal Kinder geboren hatte. Ihre Gesichter bekamen nämlich ein hämisches Grinsen. Zu allem Übel wurden wir dann auch noch durch eine anwesende schwangere Mitstreiterin von Anja per Handy gefilmt. Oh Mann, ich find mich bestimmt in YouTube wieder. Ich dachte mir nur, nicht als Erster schlapp machen, Marco.
So jetzt hinter die eigene Frau setzen und beim Ausatmen ihren Kopf an ihre Brust drücken. Ok, mir hatte keiner gesagt, dass ich einen leichten Druck aufbauen sollte. Prompt befand ich mich in meiner alten Kampfsportzeit und drückte, was das Zeug hält. Hieß ja auch Presswehen. Komisch nur, das Anja die Einzige war, die komische luftschnappende Laute von sich gab. Und schon blickte die Schwesternschaft aller Schwangeren auf mich. Ich legte also sanfter Hand an.
Man lernt verdammt schnell, wenn man sich blamieren kann. Darauf folgte ca. zehn Minuten Entspannungskuscheln mit Frau bei sanfter Musik. Blöd nur, wenn man aufgrund von schwangerschaftsbedingtem Schnarchen der eigenen Frau schon Wochen vorher kaum Schlaf ergattert hat. Ich hielt mich aber tapfer, auch wenn es hart war und ich augenblicklich einschlafen wollte. Zu guter Letzt gab es einen Film über Geburten, der wohl schon älter war, weil bereits Ton und Bild verzerrt war und der Typ im Film aussah wie Rudi Völler.  Ah so sieht das aus. „Kommen aber ganz schön blau raus“ dachte ich mir und beschloss im Kreissaal meine Position an Anjas Kopf einzunehmen.


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