Gänsehautfeeling

Es ist soweit, ich begleite Anja zum Frauenarzt. Bis jetzt habe ich die gerade begonnene Schwangerschaft eher passiv erlebt. Ich meine, es hat sich in meinem Leben bis jetzt eher wenig verändert, seitdem ich weiß, dass Anja schwanger ist. Weder mein Bauch wächst (naja ein wenig schon, denn ich kann Anja ja nicht allein essen lassen), noch ist mir schlecht. Ich ging also eher locker an den Termin heran.
Ich positionierte mich eher schüchtern hinter dem Gynäkologenstuhl und schaute ohne groß nachzudenken auf den Monitor. Der Arzt erklärte alles sehr verständlich, sodass auch ich mir etwas auf dem Ultraschallbild vorstellen konnte. Auf einmal bewegte sich etwas ganz schnell und hastig. Wie ein Stromstoß durchfuhr mich ein Gefühl, als ob man sich verliebt:
Schmetterlinge, Kribbeln. „Ich hab gerade Gänsehaut am ganzen Körper“ waren meine Worte, die ich in den Raum flüsterte. Da ist es, unser Baby. Ich machte mir vorher echt Gedanken darüber, ob ich bereit sei, Vater zu werden.
In nur zwei oder drei Sekunden in denen sich das Kind bewegt hat und mich das eben beschriebene Gefühl durchfuhr, stellte sich ein Zustand ein, der seither nicht mehr weggeht. Ich habe mich verliebt und instinktiv begriffen, welches Glück und welche Rolle mir in Zukunft zu Teil werden soll: Ich darf Vater werden. Als wir die Praxis verlassen haben, verabschiedete sich der Arzt mit einer CD in seiner Hand (darauf die ersten Bilder) und den Worten: „Bitte,
für das Gänsehautfeeling“.


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