Das erste Weihnachten

Weihnachten, endlich Urlaub. Bei uns läuft Weihnachten normalerweise immer etwas kurios, aber auf seine Weise auch traditionell ab. Nur dieses Weihnachten nicht. Es sollte etwas ganz Besonderes werden. Anja schmückt normalerweise den Baum immer am 23.12. abends. Die Christbaumspitze setzen wir dann beide gemeinsam auf. Danach freuen wir uns auf das gemeinsame alljährliche Weihnachtsfrühstück am 24.12. mit vielen Freunden. Ein Ereignis, auf das ich persönlich viel Wert lege.
Nun es begann wie immer. Wir kauften erst am 22.12. den Baum – wohlgemerkt bewusst einen nicht so schönen – denn bei uns ist es so, dass auch der nicht so schöne Baum ja ein Christbaum werden will – ihn aber keiner nimmt. Somit übernehmen wir diesen Part. Dann 23.12: Der Baum ab in die Bierkiste. Ja richtig, die Bierkiste, denn da steht er immer wie eine Eins. Anja verkleidet die Kiste dann mit Geschenkpapier und fertig ist der Christbaumständer Marke Marco. Anja schimpft jedes Jahr. Aber naja, der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel und unter dem Papier sieht es ja keiner.
Nachmittag hat unsere kleine Maus auf einmal rote Flecken im Gesicht bekommen. Abends als wir wieder nach Hause kamen und der Baum seinen vollen Duft in der Wohnung entfaltet hatte, kamen die Flecken wieder und sie schrie über eine Stunde. Sie war gar nicht mehr zu beruhigen. Sie schrie so arg, dass sie nach Luft schnappte. Ich zog ihr ihren Schlafsack aus und bemerkte feuerrote Beine. Ich überlegte, was anders ist und kam auf den Baum. Ich warf ihn sofort aus dem Haus. Wir verließen mit unserer kleinen Maus die Wohnung und kamen eine Stunde später in die frisch gelüftete Wohnung zurück. Dann war alles normal. Vermutlich eine allergische Reaktion. Also nach einer Nacht voll Sorge und Beobachtungen zog ich am Heilig Abend in der Früh los und besorgte einen künstlichen Baum mit Ständer. Das traditionelle Frühstück war für uns damit hinfällig. Auch das Baum anhängen war somit kurz vor knapp am 24.12. um 17 Uhr. Diesmal mit meiner Mutter und Anja. Die Spitze setzten wir aber trotzdem gemeinsam auf. Unsere Maus war wieder ganz friedlich und als es zur Bescherung ging, strahlten ihre Augen. Ihr Mund war offen und sie beobachtete ganz andächtig und gespannt das Funkeln der Lichter in den Christbaumkugeln. Als ich meine Tochter so sah, war auch mein Frust über das entgangene Weihnachtsfrühstück verflogen. Es ist eben jetzt ein anderes Weihnachten mit unserem Schatz.
P.S.: Die Grippe habe ich dann doch noch schnell aus Teilen einer Ritterburg aus meiner Kindheit und dekorativen Figuren, die so in der Wohnung rumstanden, zusammen gecastet. Man merkt halt doch, dass ich ein McGyver-Schauer war.


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