Waldtag

Ab und zu machen die Schulen ja einen Wandertag. Diese Wandertage werden angekündigt, die Kinder entsprechend angezogen und ausgerüstet mit allerlei Verpflegung, Matschhosen oder Sonnenmützen, je nach Jahreszeit. Gestern kam Emil strahlend aus der Schule, ohne Hausaufgaben und ohne Denkknoten im Kopf. Denn gestern war er mit seiner Klasse sehr spontan im Wald. Kein angekündigter Wandertag, sondern ein spontaner Waldvormittag, weil die Lehrerin das schöne goldene Herbstwetter viel zu schade fand, um den Tag im Klassenraum zu verbringen. Emil erzählte begeistert von verschiedenen Hölzern, von blauen schillernden Käfern und etlichen Nacktschnecken, die
ihnen unterwegs begegnet sind. Hauptsächlich waren die Kinder wohl in den Wald gezogen, um von dort bunte Blätter und herbstliche Früchte, wie z. B. Hagebutten zu sammeln. Damit wird jetzt in den kommenden trüberen Novembertagen in der Schule geklebt und gebastelt und eine große Collage hergestellt.
Überhaupt hat jetzt die Bastelzeit wieder begonnen. Ganz oben auf der Liste stehen die Laternen, Sankt Martin steht schließlich schon vor der Tür. Danach kommt der Weihnachtsschmuck für das Klassenzimmer an die Reihe und die
Dekoration für die Weihnachtsfeier. Als fünffache Mutter habe ich inzwischen eine Bastelstundenallergie und versuche, mich so oft es geht zu drücken. Auf niedrigen Kinderstühlchen mit Kinderscheren Sterne oder krakelig vorgezeichnete Schneemänner auszuschneiden, begeistert mich nach vielen Jahren Bastelstunde nicht mehr so wirklich. Trotzdem siegt meistens das schlechte Gewissen und ich nehme dann an den verordneten Bastel-nachmittagen doch teil. Und spätestens, wenn die Kinder mit fröhlichen Gesichtern und leuchtenden Augen ihre Laternen vor sich her tragen, bin ich auch wieder versöhnt mit den Basteleien.
Auch wenn mich im letzten Jahr anlässlich des Sankt-Martin-Umzuges eine Mutter etwas erstaunt ansah und meinte: „Sie können ja die ganzen Laternenlieder auswendig!“ Vermutlich glaubt jene Mutter, dass ich eine besonders eifrige Verfechterin unserer Traditionen bin. In Wirklichkeit ist es nur so, dass ich meine Kinder jetzt seit fast 19 Jahren in wechselnder Zusammensetzung auf Laternenumzüge begleite. Da bleibt dann doch der eine oder andere Text hängen.


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