
Ich weiß gar nicht, ob das überall noch so üblich ist. Bei uns müssen die Vorschulkinder irgendwann im Rahmen ihrer Schulanmeldung auch zur schulärztlichen Untersuchung. Auf mich wirkt das Ganze immer ein wenig vorsintflutlich, einfach weil die Kinder ja auch alle die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt durchlaufen und eigentlich jedes Wehwehchen seit der Geburt katalogisiert worden ist.
Trotzdem kommt auch Emil um diesen Termin nicht herum und so stehen wir dann eines Vormittags mit dem gelben U-Heft, Impfausweis und in Turnsachen in der Aula unserer Grundschule. Emil ist mächtig gespannt, was da alles von ihm verlangt wird, aber viel ist es – zu seiner Enttäuschung – eigentlich nicht.
Die (sehr nette) Ärztin blättert die Unterlagen durch und stellt dann ein paar Fragen zu Emils Entwicklung, dann darf Emil zeigen, dass er ein paar Zahlen und Farben kennt und auf einem Bein hüpfen kann. Er wird noch vermessen und gewogen, dann soll er sich eigentlich schon wieder anziehen. Eigentlich.
Aber Emil erscheint das dann doch zu wenig. Wie bitte will die Ärztin so erkennen, was für ein sportlicher, drahtiger Typ er ist.
Mit einem „ich kann aber noch mehr“ wirft er sich deshalb auf den Boden und führt der erstaunten Ärztin einige formvollendete Liegestütze vor. Dann springt er auf und demonstriert seine Muskeln, in dem er ihr die Ärmchen hinhält und sie versuchsweise anspannt. Die Ärztin gibt sich sehr beeindruckt und versichert ihm, dass er auf jeden Fall in die Schule kommen kann.
Auf dem Heimweg ist Emil sehr beruhigt: „Gut, dass ich ihr das noch gezeigt habe. Sonst hätte das am Ende nicht geklappt!“