Als Autorin ist das natürlich MEIN Thema: Bücher. Welche Bücher bekommen die Kinder im ersten Schuljahr, welche Bücher stehen ihnen in der Schulbibliothek zur Verfügung, was sind das für Bücher, die da im Klassenraum im untersten Regal ein so trauriges Dasein fristen?
Die Antwort auf dem letzten Elternabend fiel erschreckend knapp aus: Schulbibliothek? So etwas gibt es hier gar nicht. Die Bücher im Klassenzimmer sind der Versuch der Lehrerin, wenigstens eine kleine Klasseneigene Bibliothek aufzubauen – aus privaten Mitteln – wobei sie zugab, dass die im Moment vorhandenen Bücher die Restbestände ihrer letzten vierten Klasse sind. Mit anderen Worten: Für Leseanfänger sind diese Bücher viel zu schwer und deshalb noch uninteressant.
Ich war einigermaßen geschockt. Eine fast funkelnagelneue Grundschule (der Umzug fand erst vor wenigen Jahren statt) und es wurde keine Bibliothek eingeplant? Da ich durch meinen Beruf ja guten Kontakt zu zahlreichen Kinder- und Jugendbuchautoren habe, bot ich gleich an, eine Bibliothek mit aufzubauen. Aber: Es gibt keinen einzigen freien Raum in diesem Schulgebäude. So jedenfalls die Auskunft von Emils Lehrerin. Ich werde das so nicht hinnehmen und die Sache weiter verfolgen. Bis dahin will ich versuchen, wenigstens das Klassenzimmer-Bücherregal ein wenig sinnvoller zu bestücken. Wozu hat Emil schließlich eine Mutter, die unter anderem für Leseanfänger schreibt?
Die ersten Bücher habe ich ihm schon mitgegeben, heute will ich in meinem Verlag nachfragen, ob ich von dort mit ein bisschen Unterstützung rechnen kann. Kinder brauchen Bücher. Ich finde es traurig, dass Schulen erst Eltern brauchen, die ihnen das sagen.