So langsam kehrt eine gewisse Routine ein im Schulalltag von Emil. Einerseits tut ihm das gut, weil er dann nicht mehr jeden Tag so schrecklich aufgeregt ist, andererseits ist es auch fast schade, zu sehen, wie schnell etwas zur Routine werden kann.
Zu den Routinen gehört unter anderem der tägliche Sitzkreis im Klassenzimmer. Bevor die Klasse mit dem „richtigen“ Unterricht beginnt, stellen alle Kinder ihre Stühle im Kreis auf, setzen sich zusammen und jeder darf erzählen, was er am Tag zuvor noch so gemacht oder erlebt hat. Da werden Spielsachen mitgebracht und herumgereicht, Spielplatzabenteuer berichtet und Erlebnisse mit den Haustieren mitgeteilt. Manchmal stellt die Lehrerin auch Fragen, die dann reihum von allen Kindern beantwortet werden und sicher dazu dienen sollen, dass die Kinder einander besser kennenlernen. Die Kinder werden nach ihrem Lieblingsessen, ihrer Lieblingsfarbe oder auch ihrem Lieblingsbuch befragt.
Wie wir jetzt herausfanden, ist Emil mit dieser „Gruppenbefragung“ alles andere als einverstanden. So soll er es strikt verweigert haben, der Gruppe die Frage nach seiner Lieblingszahl zu beantworten. Seine Begründung: „Meine
Lieblingszahl ist ein Geheimnis, das nicht jeder wissen muss.“ Emils Lehrerin konnte ihn dann wohl mit Engelszungen noch dazu überreden, wenigstens ihr seine Geheimnisse anzuvertrauen, sodass Emil ihr letztendlich seine Lieblingszahl ins Ohr geflüstert hat. Trockener Kommentar der großen Schwester zu Emils Verhalten: „Ich hatte auch nie Lust, meine Geheimnisse mit den Lehrern zu teilen, deshalb war ich ja immer so still im Mündlichen.“ Ich hoffe allerdings, dass sich Emil diese Scheibe von seiner großen Schwester NICHT abschneidet ;-)