Welche Stationen ein Kind vor seiner Einschulung durchlaufen muss, ist sicher von Schule zu Schule unterschiedlich. Zwei Stationen werden aber überall dazu gehören: Das Einschulungsgespräch und die amtsärztliche Untersuchung.
Es war endlich so weit. Zusammen mit Emil sollte ich um 10.00 Uhr im Schulsekretariat erscheinen und ihn offiziell anmelden. Emil war mächtig aufgeregt, sollte es doch endlich Ernst werden und er zum ersten Mal seine zukünftige Schule von innen sehen.
Schon im Warteraum war er ganz zappelig und fragte mich Löcher in den Bauch. Als wir dann endlich an der Reihe waren, spazierte Emil in das Zimmer, ging direkt auf die Direktorin der Schule zu und fragte: „Kann man hier auch Chinesisch lernen?“ Die Dame wirkte etwas belustigt und wollte wissen, ob er nicht lieber erstmal Rechnen, Lesen und Schreiben lernen möchte. Da erklärte Emil ihr, dass es heute viel wichtiger sei, Chinesisch zu lernen. Das sind die Momente, in denen mir als Mutter bewusst wird, dass die Kinder von den Erwachsenengesprächen bereits viel mehr verstehen und mitbekommen, als uns manchmal lieb ist.
Die Direktorin erklärte Emil dann, dass man Chinesisch erst lernen könne, wenn man auf einer höheren Schule sei, dass in seiner Grundschule aber später Englisch und sogar Türkisch angeboten werde. Dass Türkisch nur für die türkischen Kinder unterrichtet wird, ließ sie dabei netterweise außen vor, um meinen Sohn nicht restlos zu frustrieren. „Türkisch kann ich schon!“, platzte es aus Emil heraus und er belegte diese Behauptung gleich mit einem Schwall türkischer Schimpfwörter. Tja – das sind die durchaus fruchtbaren Ergebnisse eines multikulturellen Kindergartens. Und ich war ehrlich gesagt ganz froh, dass ich nicht so genau verstand, was mein Sohn da eigentlich zu seiner Gesprächspartnerin sagte. Die schmunzelte nur und meinte, es sei ja wirklich allerhöchste Zeit, dass Emil in die Schule komme. Und Emil war sehr enttäuscht, dass er nicht gleich da bleiben durfte.