
Wenn es nach Emil ginge, würde er sofort nach dem Heimkommen vor den Kinderkanal sinken. Am besten noch in Schuhen und Anorak. Und noch besser: ausgerüstet mit Keksen und einem Kakao. Natürlich gucken wir hier auch Kinderkanal. Ab und zu. Aber Emil würde gerne IMMER Kinderkanal um sich haben. Die Angst etwas zu verpassen ist riesengroß. Da bin ich gefragt. Und ich sitze oft am Küchentisch und arbeite, muss noch einen Text fertig schreiben oder auch zur Abwechslung mal den Haushalt schmeißen.
Mir ist aufgefallen, dass meine Kinder – Emil ist da ja gar keine Ausnahme – ganz oft die Kurve nicht kriegen vom „Programm Schule oder Kindergarten“ hin zum „jetzt beschäftigt euch mal selbst“. Vorschläge wie „bau doch was Schönes
mit deinen Bausteinen“ oder „spielt mal wieder mit der Eisenbahn“ werden oft mit viel Gemaule abgelehnt: Zu langweilig, was für Babys, zu uncool. Zum Glück werden die Kinder langsam älter und so kann ich ganz allmählich das mit ihnen machen, was meine Mama schon sehr früh mit mir machen konnte – damals vor rund 40 Jahren auf dem Land.
Nach dem Mittagessen und den Hausaufgaben hieß es Anorak anziehen und draußen spielen bis es dunkel wird. Inzwischen schaffen es Emil und sein Bruder Paul immerhin schon, zwei bis drei Stunden an der frischen Luft zu erschwinden. Sie schnappen ihre Roller und fahren zum nahegelegenen Park mit Spiel- und Bolzplatz. Dort treffen sie meistens zahlreiche Freunde aus der Schule und dann ist der Kinderkanal ganz schnell vergessen. Wenn die Lust der beiden mal gar nicht ausreicht oder das Wetter besonders schön ist, dann klappe ich auch schon mal den Rechner zu, packe Tee und Kekse ein und wir fahren alle zusammen in unsere Fasanerie oder auf einen größeren Spielplatz. Und wenn dann vor dem Abend noch ein bisschen Kinderkanal angesagt ist, kann sogar ich damit leben.